Mont-Saint-Michel - Der Berg ruft

Mont-Saint-Michel – Der Berg ruft

Nun sollte es also vom Omaha-Beach weiter in Richtung Süden gehen. Nachdem wir uns über mögliche Ziele ausgetauscht haben, kam bei uns die Frage auf, ob man sich nicht doch Mont-Saint-Michel ansieht. Eigentlich wollten wir ja Touristenhochburgen auf Rücksicht auf die Kinder meiden. Als Kind ist es eben ja auch eher stressig sich mit den Eltern durch die Menschenmengen zu zwängen und auf irgendeine alte Burg zu steigen obwohl man doch mit dem Eis das es am Eingang gibt, schon zufrieden gewesen wäre.

Schnell wurden wir uns alle dann aber darüber einig, dass es sehr schade wäre, so nah an Mont-Saint-Michel vorbeizufahren ohne es gesehen zu haben. Also wurde die Route angepasst und so fuhren wir zu unserem nächsten Stellplatz auf dem Hinterhof-Parkplatz eines Cidre-Geschäfts mit Blick auf Saint-Michel. Dort genossen wir noch ein wunderschönes Abendrot und ließen den Abend mit einem kleinen Familienfilm ausklingen. 

Abendrot bei Mont-Saint-Michel

Am nächsten Tag mussten wir uns erstmal noch Bargeld besorgen. Doch wo? Nachdem ich mich erfolgreich im Französichen versucht habe – “Est-que vous parlez anglais?” (Sprechen Sie Englisch?“) – fuhren wir zum nächsten Geldautomaten und versorgten uns noch mit Verpflegung für die “große Burg”.

Der Parkplatz in Mont-Saint-Michel hat es in sich. Sage und schreibe 17,60 € für 24 Stunden kostete der Stellplatz auf dem man offiziell noch nicht mal übernachten darf. Aber was soll’s. Man ist ja nicht jeden Tag dort und für eine Nacht ist es auch ok. Wir haben bisher lediglich in Tschechien und eine Nacht in der Normandie kostenpflichtig übernachtet. 

Hippie-Busse unter sich

Nachdem wir auf dem Parkplatz angekommen sind, sahen wir auch gleich einen weiteren alten Mercedes zwischen all den hyper-modernen und leider auch eher unansehnlich und wenig individuellen Wohnmobilen und gesellten uns daneben. Er soll sich ja nicht so allein fühlen.

Vagabundenliebe und zwaartepuntopdrift

Zu unserer Freude entpuppte sich der Düdo neben uns auch als Herberge einer Familie. Wie wir schnell an den Kindersitzen im Inneren erkennen konnten. Deshalb hinterließen wir den Besitzern noch einen kleinen Zettel an der Tür mit den Worten “Have a save trip! Your big sister Wendy” und unseren Namen und machten uns auf den Weg zum Shuttle-Bus. Unserer große Tochter missfiel jedoch, dass wir nur mit dem Bus und nicht mit den Pferdekutschen fuhren. Jedoch wollten wir hier nicht die Ausbeutung der Tiere für touristische Zwecke fördern, was sie auch gut verstehen konnte.

Da sind wir nun am Mont-Saint-Michel

So fuhren wir zum Klosterberg und machten uns auf Erkundungstour. Nachdem Postkarten und Briefmarken gekauft waren, schlenderten wir durch die engen Gassen des Ortes. Als wir an einem der vielen Souvenirgeschäfte vorbeigingen, wurden wir von einem der Ladenbesitzer oder Verkäufer angesprochen. Wie gewohnt winkten wir ab, da wir davon ausgingen, man wolle uns nur in das Geschäft locken um uns etwas zu verkaufen. Der Mann ließ jedoch nicht locker und machte uns klar, das er zwei Eintrittskarten für die Bergkirche habe, die eine Frau bei ihm im Geschäft abgegeben habe und er sie uns schenken möchte. Nachdem wir das begriffen hatten, bedankten wir uns natürlich ganz herzlich und gingen mit unseren “erworbenen” Karten im Wert von 16 € weiter.

Wir besuchten nun also auch das Kloster das dem Mont-Saint-Michel seinen Namen verleiht, welches noch bis in die 60er-Jahre von Mönchen bewohnt war. Sehr beeindruckt waren wir von den Kaminen in einem der Speisesäle. Es waren zwei nebeneinander liegende Kamine, die je eine Breite von gut vier Metern hatten und eine Höhe von gut zwei Metern. Was müssen das für prächtige Feuer gewesen sein, die diesen Raum aufheizten.

Danach machten wir uns wegen einer wahren Plage an Mücken auf den Rückweg zu unserem Wohnmobil und fanden von den Besitzern des Mercedes Düdo ebenfalls einen Zettel mit Kontaktdaten der Familie vor. Ohne zu zögern kontaktieren wir sie via Instagram. und fanden heraus, das sie sich nur 20 Minuten weiter von uns entfernt auf einem Stellplatz für die Nacht eingerichtet hatten. 

Fahren ohne Gaspedal

Wir beschlossen ebenfalls den Platz dort aufzusuchen und packten unsere sieben Sachen ein. Da ich beim Anbringen der Fußfelssel (eine Pedalsperre) an unserer Wendy diesmal etwas zu kreativ war, ging uns/mir jedoch das Gaspedal “kaputt” als ich das Schloss lösen wollte. So mussten wir die Strecke mit einem klemmenden Gaspedal fahren. Dieses ging nämlich nicht mehr selbstständig in die Ausgangsstellung und musste mit dem Fuß manuell immer wieder zurückgezogen werden. Welch eine Tortur!

Bei der Ankunft an unserem Platz für die Nacht in Sougéal trafen wir dann auf die Familie (zwaartepuntopdrift) welche wir zuvor per Zettel kontaktiert hatten. Eine vierköpfige Familie plus Hund Maya aus den Niederlanden, welche ihre Elternzeit auf Reisen verbringen. Endlich mal wieder „normale“ Leute in unserem Alter. Yeehaa!
Während wir uns beschnupperten, konnte ich auch das Pedal wieder reparieren.

Am darauf folgenden Vormittag konnten unsere Kinder endlich mal wieder mit anderen Kindern spielen und rumtoben und wir Erwachsenen uns ein wenig unterhalten.

Nachdem wir unseren Mercedes 811d wieder mit Wasser versorgt hatten, ging es für uns jedoch weiter, da sich mittlerweile ein riesiger Berg Wäsche angehäuft hatte. Also hieß es wieder Abschied nehmen, was der Tochter der Familie leider nicht so leicht fiel und einige dicke Tränen flossen. :’-(

Aber wir hoffen sie schon bald wieder zu sehen und verfolgen gespannt ihre Route.

Die Vagabunden am Mont-Saint-Michel
Die Vagabundencrew am Mont-Saint-Michel

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