The Real Vanlife: Konflikte im Wohnmobil mit Kindern und 5 Krisen, die du überwältigen musst

The Real Vanlife: Konflikte im Wohnmobil mit Kindern und 5 Krisen, die du überwältigen musst

In dem Moment, in dem du in dein Wohnmobil oder Camper steigst, wird alles gut. Du fährst los und all deine Probleme lösen sich in Luft auf und Konflikte im Wohnmobil gibt es sowieso nicht. Die Sonne scheint dir ab jetzt selbstverständlich aus dem Arsch.

So oder so ähnlich könnte man meinen, dass der Reisealltag im Wohnmobil – auch mit Kindern -, sein müsste, schaut man sich in den Sozialen Medien wie Instagram & Co. um. Strahlende Gesichter, Sonne, Strand, Palmen und glückliche Kinder. Alles läuft reibungslos, alle entwickeln sich prächtig.

Was aber hinter diesen häufigen Darstellungen wirklich abläuft, darum soll es nun gehen:

Keine Konflikte im Wohnmobil? Falsche Vorstellungen durch Instagram, die „Fake-Welt“?

Bei einigen Menschen entwickelt sich aufgrund der Positivität vieler Inhalte eine Aversion (Abneigung) gegen Instagram. Weil Instagram eine „Fake-Welt“ sei, wo alles nur dargestellt und unecht sei. Auf so manchen Account mag das zutreffen, doch das sind aus meiner Sicht die wenigsten. Denn das Problem ist nicht Instagram selbst.

Instagram hatte nie Absicht eine Kopie der realen Welt abzubilden mit all ihrem Konfliktpotenzial. Denn Fun Fact: Instagram war ursprünglich ein Treffpunkt für Bourbontrinker und hieß „Burbn“. Doch diese Geschichte wird an anderer Stelle erzählt. Instagram entwickelte sich zu einer Plattform, auf der die Menschen Momente ihres Lebens in Foto und mittlerweile auch Videoform teilen. Aber auch, wo Unternehmer ihre Dienste anbieten und anderen mit neuem Input helfen wollen, Lösungen für Probleme zu finden.

Mach dir also als allererstes richtig bewusst, dass es noch mehr Leben gibt in einem Familienalltag, als den Teil, den du bei Instagram von einer Familie siehst. Überall, wo es Lachen, Glück und Sonnenschein gibt, gibt es auch Tränen, Verzweiflung und Regen. Genau deshalb gibt es auch bei jeder Reisefamilie, die in die Kamera strahlt, Konflikte im Wohnmobil.

Instagram als echtes Abbild des Alltags?

Wäre Instagram nun aber bei vielen Familien ein Abbild ihren ganz realen Alltags, wäre das schon befremdlich. Warum? Ich zumindest würde mich fragen, wer denn das weinende, verzweifelte, wütende Kind auffängt, wenn man grad beschäftigt ist, es zu fotografieren, um die nächste Insta-Story noch anschaulicher zu gestalten? Für mich ist es ein positives Zeichen, keine Wutanfälle von fremden Kindern in den Sozialen Medien zu sehen, weil ich so wenigstens den Eindruck habe, dass man sich während der instafreien Zeit um das Kind kümmert und nicht die Kamera drauf hält. Ein aus meiner Sicht großer Punkt, warum man so wenig Konflikte im Wohnmobil auf Instagram sieht. Denn Instagram ist nicht das Leben.

Erzählungen zu hektischen Alltagen, miesen Übernachtungsspots, Küchenchaos und ähnliches, findet sich auf fast jedem Account in den Stories, dem wir folgen. The Real Vanlife existiert: Achte mal drauf. 😉

Mein ganz persönlicher Blick auf Instagram

Ich nutze Instagram, um mich inspirieren zu lassen, neue Orte zu entdecken und mit anderen reiselustigen Menschen auszutauschen. Wenn ich mir dort jeden Tag ansehen müsste, wie schlecht es XY geht und wie schlimm alles grad ist, würde ich sehr viel seltener diese Plattform betreten.

Ich umgebe mich bewusst auch nicht gern im Real Life mit Menschen, die überall Probleme sehen, sowieso alles kacke finden und täglich über nichts anderes sprechen, als darüber, wie übel ihnen das Leben mitspielt und wie gut es alle anderen haben. (Nicht verwechseln: Ich helfe gerne Menschen ihre Probleme zu lösen, doch Bock aufs Lösen der Probleme müssen sie selbst mitbringen!)

Es würde mir auf Dauer sehr schwer fallen, mich nicht von den fremden, schweren Gedanken und Konflikten runterziehen zu lassen. Das ist für mich wie Nachrichten schauen. Nur Not und Übel zu sehen. Danach fühle ich mich hoffnungslos, ziellos und sinnlos.

Das neue Leben beginnt – Einzug ins Wohnmobil

Inspiriert wurde dieser Beitrag durch einen Post auf Facebook. Eine Mama schrieb sich von der Seele, dass ihnen so gar nicht die Sonne aus dem Hintern scheint, während auf Instagram alles fröhlich am Strand chillt. Viele Familien reagierten darauf und waren sich einig, dass die Online-Welt eben nicht kein reales Abbild des echten Lebens ist, Konflikte im Wohnmobil absolut normal sind und dass es etwas braucht, um sich in das neue Leben einzugewöhnen.

Konflikte im Wohnmobil - Wendy und Deine Mudda haben Beef
Dunkle Wolken im Paradies

Gib dir Zeit anzukommen

Wieviel Zeit benötigt denn das Ankommen im Wohnmobil? Die Frage lässt sich vermutlich individuell ganz unterschiedlich beantworten, doch im Großen und Ganzen scheinen 3-4 Monate ein häufig genannter Zeitraum zu sein. Interessanterweise auch oft der Zeitraum, den eine Familie benötigt, wenn aus einem Kind zwei werden oder aus einem Paar eine Familie oder auch ein Umzug in eine neue Stadt, um wieder besser klarzukommen. Ist dir das mal aufgefallen? 😉

Dein Umzug ins Wohnmobil ist eine Krise

Richtig gelesen: Du wählst eine Krise, wenn du ins Wohnmobil ziehst. Eine Krise für dein Gehirn. Die entsteht immer, wenn sich grundlegende Dinge verändern, auf die dein Gehirn sicher eingestellt war und die nun einfach nicht mehr gegeben sind. Das passiert eben auch bei Umzügen oder in noch größerem Stil bei Familiengründung, Schwangerschaft usw. Die Folge daraus: Konflikte. Deinem Gehirn ist es egal, ob in einem Haus oder im Wohnmobil. Konflikte im Wohnmobil nimmt es auf die gleiche Art wie in einem Haus. Erstmal!

Nicht nur dein Gehirn erlebt eine Krise, sondern alle Gehirne, die zu deiner Familie zählen. Klingt nach Feuerwerk, oder? Wunderbar 😀

Diese Krisen in verschiedenen Intensitäten kennst du sicher auch von deinen Kindern. Kindergehirne üben diese Krisen auch schon ganz früh, wenn du ihnen nicht den Becher mit der richtigen Farbe gibst. Der Körper nimmt Durst wahr und gleichzeitig taucht eine Vorstellung des Bechers auf, aus dem das Getränk kommen soll oder das letzte Mal kam oder das erste Mal kam etc. Als Eltern wissen wir nicht, welche Farbe sich das Kind vorgestellt hat. Das Kind allerdings schon. Und da es noch nicht weiß, dass du nicht automatisch alles genauso siehst und weißt, wie es selbst, sagt es dir die Farbe nicht unbedingt von selbst. 😀

Ich glaube, wir alle kennen diese Situation und wollten schon so manches Mal an ihr verzweifeln, wenn das Gehirn des Kindes nun einen Plan bzw. eine Vorstellung hatte und dieser Plan im Kopf einfach nicht aufgeht, weil die Becherfarbe eine falsche ist. Genau solche Krisen durchleben wir als Erwachsene nun auch, doch haben wir andere Strategien entwickelt, damit umzugehen und das ganze läuft wesentlich subtiler und leiser ab. Trotz allem, kann es uns gerade am Anfang megamäßig stressen.

Übersetzt auf deine Konflikte im Wohnmobil bedeutet das, dass du dich in deiner neuen Welt erstmal zurechtfinden musst.

5 Krisen, die du überwältigen musst für weniger Konflikte im Wohnmobil:

Krise Nr. 1: Wie funktioniert alles?

Du musst plötzlich an deine Wasserversorgung denken. Viel häufiger als im Leben in einem Haus, in dem dein Wasser höchstwahrscheinlich automatisch aus der Wand kam. Höchstens die Jahresabschlussrechnung hat dich daran erinnert. Ähnliches gilt für Strom. Wird der Strom der Solaranlage reichen? Wo kann ich uns an die nächste Steckdose schließen? Und überhaupt: Wo schlafen wir heute? Finden wir einen schönen Platz? Dürfen wir hier bleiben? Campingplatz oder Freistehen? An all diese neue Themen musst du dich erst gewöhnen und sie in deinen Alltag integrieren. Dieser Mehraufwand kann zu Zeitmangel führen, was wiederum zum Konflikt im Wohnmobil führen mag, weil keiner mehr weiß, wo einem der Kopf steht.

Krise Nr. 2: Wo treffen wir andere Kinder?

Du suchst aktiv nach Spielkontakten für deine Kinder, denn die üblichen Nachbarskinder oder Schulfreunde sind nicht mehr da und die neuen findest du noch nicht. Schau mal in unsere Listen an Freilernerfamilien und Freilernertreffen! Und vielleicht magst du auch zum direkten Vernetzen in unsere Freilerner unterwegs – Telegram Gruppe kommen? Auch diese Thematik kann Konflikte im Wohnmobil provozieren. Manchmal sind es aber wir Eltern, die dem Thema mehr Gewicht geben als unsere Kinder selbst. Wie ich das meine? Das erkläre ich in ein paar Tagen in einem weiteren Artikel.

Krise Nr. 3: Wieso kann ich nicht mehr „weglaufen“?

Deine ganze Lebenssituation ist neu und das dazu auf engem Raum, wo du nicht einfach eine Tür hinter dir zuschmeißen kannst und deine Ruhe hast. Du bist nun gezwungen dich deinen Konflikten IM Wohnmobil zu stellen. In einem Alltag in einem Haus mit mehreren Räumen, womöglich auch noch viele Stunden außer Haus getrennt von deinen Kindern und möglicherweise Partner, hast du ganz andere Konfliktstrategien verinnerlicht, die dich hier und jetzt nicht mehr weiterführen. Im Gegenteil: Hier, in deinem neuen Umfeld, wo du Kids und Partner 24/7 um dich hast, bringen sie das Fass zum Explodieren. Übrigens einer der tollsten Gründe für’s Reisen, weil der stetige Wandel, die Veränderung, wie ein Katalysator für dein persönliches Wachstum wirkt. Wenn du es zulässt.

Konflikte im Wohnmobil
Dicke Luft

Krise Nr. 4: Wo bleib ich?

Du nimmst unterwegs viel mehr Reize auf durch sich immer verändernde Situationen, Orte, Menschen um dich herum. Du bekommst einen Haufen Input und der will erstmal verarbeitet werden. Gerade zu Beginn neigen viele Familien dazu, zu schnell zu reisen. Uns erging zumindest so und wir hören es oft von vielen anderen. Konflikte im Wohnmobil waren so vorprogrammiert, weil wir uns nicht die Zeit zum Verweilen und Ausruhen gaben. Wir hatten noch nicht verinnerlicht, dass wir jetzt so leben und nicht irgendwo „ankommen“ müssen. Dass jetzt tatsächlich der Weg unser Ziel ist. Einfach mal an einem Ort zu bleiben für mehr als 1-2 Nächte und das Erlebte der letzten Tage sacken zu lassen, mussten wir erst üben.

Krise Nr. 5: Wieso lernt das Kind nicht?

Wenn du Kinder im schulpflichtigen Alter dabei hast, die aber keiner Schulpflicht in Deutschland unterliegen, weil ihr ausgewandert seid, dann ist vielleicht auch diese Situation neu für dich.

Vielleicht möchtest du sie selbst unterrichten und merkst, dass es was ganz anderes ist, wenn du anstelle einer Lehrkraft deinem Kind viele Vorgaben machst und es arbeitet nicht wie vorgestellt mit? Hier findet sich sicherlich noch ganz viel Konfliktpotenzial für viele unschöne Stunden im Wohnmobil. Genau deshalb mag ich dir Majka von der Reisefamilie Yafekama vorstellen, die als Ex-Lehrerin einen bedürfnisorientierten Weg zwischen Lehrplänen und Freilernen verfolgt und auch deiner Familie passende Möglichkeiten für euch aufzeigen kann.

Verfolgst du den Weg des Freilernens, dann steckt ihr alle vielleicht auch grad noch in der Deschoolingphase. Diese Phase ist ein möglicherweise anstrengender Prozess und fast schon ein Garant für Konflikte im Wohnmobil, der aber bitternötig ist, um erfolgreich freilernen zu können. Was es mit dem Deschooling auf sich hat, das liest du hier: Deschooling – Essentieller Prozess auf dem Weg zum Freilernen

Und dein ganz normaler Alltag

Dass die erste Zeit im Wohnmobil so manchen ganz schön schlauchen kann, kannst du dir nun sicher gut vorstellen. Das geballte Konfliktpotenzial kommt auf einmal auf dich eingeströmt – zusätzlich zu deinem sonstigen Alltag, den Entwicklungsphasen deiner Kinder und weiteren Sorgen, die du vielleicht grad hast.

Deine Kinder kommen ja trotzdem in die Pubertät oder die Wackelzahnpubertät oder in die Autonomiephase oder tun sich weh oder oder oder. Ob im Haus oder im Wohnmobil. Auch deine Sorgen nimmst du immer mit, egal, wohin du gehst, außer du löst sie auf.

Fazit

Das Vanlife, das Leben im Wohnmobil, ist aus unserer Sicht definitiv nicht geeignet, um vor irgendwas zu fliehen. Wenn du aber Bock hast auf Wandel, nicht nur äußerlich durch neue Orte, neue Menschen, neue Landschaften, neue Erfahrungen, sondern ganz besonders auch innerlich, dann ist es das Beste, das dir wohl passieren kann und du überstehst die ersten Monate unterwegs mit Leichtigkeit (rückwirkend betrachtet 😉 ).

Gönn‘ dir Pausen, bleib‘ einfach mal länger an einem Ort, gesteh dir ein, dass es viele Phasen/Situationen auch im Haus gegeben hätte, atme tief durch und weiter geht’s. Denn es geht immer weiter.

Wie erlebst du die erste Zeit auf Reisen? Wir sind ganz gespannt, ob du auch einige dieser Krisen zu bewältigen hast oder hattest und freuen uns auf deine Worte in den Kommentaren. Vielleicht magst du auch damit der einen oder anderen Familie neuen Mut!

Sozialisation: Wie gut sind Freilerner wirklich sozialisiert?

Sozialisation: Wie gut sind Freilerner wirklich sozialisiert?

Sozialisation. Schwere erfüllt den Raum, wenn dieses Wort fällt. Und vor meinen Augen flimmert immer wieder die selbe Schlüsselszene aus den Kleinkindjahren meiner Tochter auf:

Schluchzend und weinend kommt meine Tochter zu mir gerannt. Sie ist drei Jahre alt und ihre Welt ist grad erschüttert worden.

„Sie hat gesagt, sie ist nicht mehr meine Freundin!“, schluchzt sie voller Unverständnis über die Aussage eines Nachbarkindes. „Was ist denn passiert?“, frage ich und streichle ihr über die blonden Locken. Das Mädchen, das bis eben noch ihre Freundin war, wollte mit dem Lieblingsstofftier meiner Tochter spielen. Meine Tochter war aber nicht einverstanden. Und zack fiel dieser Satz, der alles für meine Tochter veränderte und mir sofort Ben Harpers Song „Welcome to the cruel world“ in den Kopf spielte.

Es sollten in den darauffolgenden Jahren noch viele ähnliche Situationen folgen. Auch mein Sohn musste dieselbe Erfahrung machen und es hat ihm ebenso den Boden unter den Füßen entrissen, wie vor vielen Jahren meiner Tochter. Auffällig war damals, dass diese Sprüche (psychische Gewalt in Form von emotionaler Erpressung) in erster Linie von Kindern kamen, die einen Kindergarten oder die Schule besuchten. Befanden wir uns in kleinen Kreisen unter anderen kiga- und schulfreien Kindern (Kinder, die keinen Kindergarten oder Schule besuchen -> Freilernen – Weg in die Freiheit), blieben diese Situationen meist aus oder waren zumindest sehr selten.

Ich betrachte hier das breite Feld der Sozialisation nicht in jedem einzelnen Aspekt, sondern ganz besonders in Hinblick auf Konfliktverhalten 3- bis 10-jähriger Kinder. Der Bereich, der am häufigsten dazu führt, dass ein Kind als „schlecht sozialisiert“ abgestempelt wird. Übrigens der selbe Bereich, der gemeint wird, wenn die unüberlegte Behauptung aufgestellt wird, dass Freilerner eben diese Sozialisation nicht erfahren, gerade weil sie keine Schule besuchen. Schauen wir uns das doch mal genauer an.

Sozialisation: Du bist der Durchschnitt deines Umfeldes.

Was ich hier nicht ausdrücken will, ist, dass Kinder, die Einrichtungen besuchen, schlechte Menschen seien. Das vorweg, auch wenn das eigentlich selbstverständlich sein sollte. Was ich aber aus meinen Beobachtungen über die letzten Jahre schließe und was ich auch mein gesamtes Leben über selbst erfahren habe, ist:

„Du bist der Durchschnitt der Menschen, mit denen du dich selbst umgibst.“

Kinder – nicht nur in Kindergarten und Schule – können sich ihr Umfeld nicht selbst aussuchen und haben deshalb auch nicht viel Einfluss auf ihre Entwicklung und Sozialisation. Es liegt an ihren Eltern, Lehrern, Bezugspersonen und Betreuern, ob und wie sie lernen mit Konfliktsituationen umzugehen. Denn auch wenn es immer heißt, dass Kinder andere gleichaltrige Kinder brauchen für eine gute Sozialisation, so können sie doch nicht viel von ihnen lernen, wenn es um Konflikte geht – ohne nachahmenswerte Vorbilder und Hilfsangebote.

Sozialisation als Freilerner

Sozialisation: Von wem wir lernen.

Wir lernen von Menschen, die auf dem Gebiet, auf dem wir lernen wollen, bereits weiter sind als wir selbst. Wir lernen aus Beobachtung, Nachahmung, Ausprobieren und möglicher aktiver Hilfestellung, indem wir Hilfe suchen – weil sich ein Konflikt nicht unbedingt gut in uns anfühlt. Bei Gruppen von Gleichaltrigen wird das eher schwierig, daher sind „erfahrenere“ Menschen für die Sozialisation unausweichlich, um alternative Lösungswege zu erlernen. Das können auch einfach ältere Kinder sein, nicht notgedrungen Erwachsene oder „professionelle Erwachsene“ (aka Lehrer/Betreuer).

Daraus ergibt sich für mich die umgekehrte Frage: Sind Kinder, die in gemischten Gruppen aufwachsen wie Freilerner, also i.d.R. ohne Schule und Kindergarten besser/weiter sozialisiert als Kinder, die den Hauptteil des Tages in Einrichtungen mit Gleichaltrigen verbringen?

Sozialisation: Sind Freilerner besser sozialisiert als Schulkinder?

Freilerner zum Beispiel: Viele von ihnen leben nicht in Gruppen von Gleichaltrigen, sondern haben nicht selten Sozialkontakte jeden Alters. Ein großer Teil der Freilerner-Community schreit jetzt sicherlich direkt „Ja, natürlich sind sie besser sozialisiert!“ und ich bin geneigt mit in diesen Jubelschrei einzustimmen. Doch etwas hält mich auf. Da kriechen unschöne Erinnerungen in mir hoch. An Treffen mit so manch einer reisenden Familie, die ich mir und meinen Kindern gern erspart hätte.

Und wieder: Ich spreche hier nicht von „schlechten Menschen“ oder „bösen Kindern“. Ich spreche von jungen Menschen, die sich und verschiedene Verhaltensweisen ausprobieren bis sie für verschiedene Situationen für sich selbst angenehme Strategien gefunden haben, um ihre Konflikte zu lösen. Dass diese nicht immer sozial verträglich sind, muss ich wohl niemandem mit Kindern erklären. Es ist wie alles ein Prozess.

Manche dieser Familien waren erst frisch raus aus Schule und Kindergarten und fielen uns durch das für uns schultypische Verhalten auf. Die Eltern, jedoch keinesfalls alle, waren meistens zugewandt und begleiteten ihre Kinder in der Umstellung, sprachen mit ihren Kindern über die Konflikte und boten ihnen Hilfe bei der Lösung an.

Denn das ist es, was das Erlernen von positivem, sozialem Konfliktverhalten ausmacht:

  1. Unsoziales Verhalten als solches überhaupt erkennen (das fehlt aus meiner Sicht schon bei vielen, weil kaum ein Elternteil vor anderen Eltern zugeben will, dass das eigene Kind sich auch einfach mal scheiße unsozial verhält),
  2. es (sich und dem Kind) bewusst machen, z. B. indem es darauf angesprochen wird und
  3. mögliche Handlungsalternativen aufzeigen, ermutigen diese auszuprobieren.

Und das ganze immer und immer wieder. Manche Kinder brauchen das nur einmal, andere über viele Jahre wiederkehrend. Und das ist okay so. Wichtig ist nur, dass es überhaupt kommt, dass die Kinder nicht allein gelassen werden in Situationen, die sie noch gar nicht selber lösen können. Einfach deshalb, weil ihnen die Handlungsalternativen noch fehlen.

Die falsch verstandene Ja-Umgebung

Und dann kommen Erinnerungen hoch an Treffen mit Familien, deren Kinder wie meine noch nie eine Einrichtung besucht haben. Familien, die sich genau wie wir Freiheit auf die Fahnen geschrieben haben. Aber auch Familien, die ihren Kindern eine Ja-Umgebung erschaffen wollen, in der es kein einziges Nein zu finden gibt.

Die Ja-Umgebung: Häufig taucht dieser Begriff auf, wenn Babys mobil werden. Ihre Umgebung wird so gestaltet, dass sie nicht an Dinge drankommen, an die sie nicht drankommen sollten. So wird selten ein „Nein“ notwendig. Mittlerweile höre ich diesen Begriff auch bei Familien mit älteren Kindern häufiger, wo er gerne grob mit „Kindheit in Freiheit“ gleichgesetzt wird und dem Kind ein möglichst freiheitliches Aufwachsen, eigene Erfahrungen machen, Freilernen, etc. ermöglicht werden soll.

So sehr ich diese Prinzipien des freiheitlichen Aufwachsens befürworte, so sehr ist mir wichtig herauszustellen, dass eine solch freie Umgebung nicht die Abwesenheit des Neins ist:

Es handelt sich nicht um Freiheit, wenn Eltern durch ihre eigene Abwesenheit (physisch oder geistig) glänzen!

  • Nicht, wenn ihre Kinder mit Äxten und Sägen durch die Gegend laufen und damit auch andere Kinder bedrohen,
  • Nicht, wenn andere Kinder an einen Baum gefesselt werden, warum auch immer,
  • Nicht, wenn ihre Kinder psychische Gewalt (z. B. Emotionale Erpressung, Manipulation, Ausgrenzung) anwenden, um ihre Ziele zu erreichen,
  • Nicht, wenn ihre Kinder in ihrer Familie alleine bestimmen und die Eltern sich dem anpassen.

Das hier sind keine ausgedachten Beispiele. Das sind Erlebnisse, die wir und andere uns bekannte Familien mit anderen freilernenden Kindern und Familien gemacht haben. Aber keinesfalls nur mit ihnen.

Wir erleben, wie diese Eltern sich dafür feiern, wie frei ihre Kinder aufwachsen dürfen, während sie als Eltern aber nicht da sind, um ihren Kids Handlungsalternativen aufzuzeigen, wenn sich diese in Konfliktsituationen befinden, die sie noch nicht positiv für alle Beteiligten selber lösen können.

Leider ist es das, was ich beobachte: Aus falsch verstandener Freiheit heraus werden Kinder sich und ihren Konflikten selbst überlassen, damit sie lernen diese alleine zu lösen. Und das tun sie auch. Sie lösen ihre Konflikte. Aber eben auf nicht sehr soziale Art und Weise.

„Kinder sind halt grausam.“?

Es wird erpresst, gelogen, manipuliert. Aber nochmal: Diese Kinder sind nicht falsch. Sie haben nur noch keine sozialverträglicheren Strategien zum Lösen von Konflikten erlernt. Weil sie möglicherweise kein Umfeld haben, das ihnen in diesen Situationen zur Seite steht. Oder weil sie – selbst mit passendem Umfeld – einfach Zeit brauchen, um alternative Handlungswege auch tatsächlich abrufen zu können und auszuprobieren. Sie ahmen das von Anderen nach, was schnell funktioniert und leicht wirkt und das ist eben nicht selten psychische oder körperliche Gewalt. Die Intention ist nicht zu verletzten, das dürfen wir nicht vergessen.

Hier handelt es sich natürlich nicht „nur um freilernende Kinder“ oder „nur um Schulkinder“. Fehlgeschlagene Konfliktlösungen zieht sich durch alle Gruppen.

Sind diese Kinder gut sozialisiert? Nein, Sozialisation ist ein Prozess, der nicht von heute auf morgen passiert.
Sollten sie es sein? Nicht unbedingt, denn nicht jeder Aspekt von „guter Sozialisation“ ist tatsächlich auch für alle wünschenswert und in jeder Altersklasse zu erwarten.
Haben sie eine Chance es zu werden? Ja, mit zugewandten Eltern und/oder Bezugspersonen, die insbesondere psychische Gewalt nicht übersehen, weil man diese Narben nicht sehen kann. Psychische Gewalt kann in Einrichtungen wie Schule und Kindergarten kaum aufgefangen werden.

Wir fragen uns, warum viele junge Menschen psychisch krank aus der Schulzeit ins Berufsleben einsteigen oder warum so manch „erfolgreicher“ Mensch so skrupellos handelt? Unter Anderem mit Sicherheit, weil sie entweder selber psychischer Gewalt ausgesetzt waren oder aber diese geschickt angewandt haben, um ihre Ziele zu erreichen.

Mein Fazit

Nein, Freilerner erfahren nicht automatisch eine bessere Sozialisation als Schulkinder, weil sie Freilerner sind. Sie alle stecken im selben Prozess.

Freilerner und andere Kinder, die nicht in Gruppen von Gleichaltrigen den Großteil des Tages verbringen, können unter Umständen die besseren Chancen haben, da sie nicht wie Schulkinder oft täglich Zwang, Druck, Angst oder psychischer/körperlicher Gewalt durch Mitschüler bis in hohe Klassenstufen ausgesetzt sind.
Eine gute Sozialisation geht jedoch vom engen Umfeld der Kinder aus. Dann, wenn sie – egal ob Schulkind oder Freilerner, Familie und Freunde haben, die sich ihres eigenen Einflusses auf die soziale Entwicklung wirklich bewusst ist, ohne Vernachlässigung mit Freiheit zu verwechseln oder Schule mit Sozialisation gleichzusetzen.

Denn wir sind alle nur der Durchschnitt unseres engsten Umfeldes.

„Mein Kind geht (nicht) gern zur Schule“: 4 Gründe, warum kein Kind ernsthaft gern zur Schule geht.

„Mein Kind geht (nicht) gern zur Schule“: 4 Gründe, warum kein Kind ernsthaft gern zur Schule geht.

Am Montag beginnt die Schule wieder und die Sommerferien sind vorbei. Mein Kind freut sich schon richtig drauf!😊

So oder so ähnlich heißt es stets pünktlich zum Ferienende von glücklichen Eltern. Oft bin ich mir nicht sicher, ob sie tatsächlich von ihren Kindern sprechen oder lediglich darüber, dass sie selbst als Eltern froh sind, wieder einem „normalen“ Alltag nachgehen zu dürfen. Ohne Ferienbetreuung und Urlaub nehmen.

I mean… like… seriously?!

Das Märchen um die Liebe zur Schule

Sommerferien rum und überall erleichterte Kinder, die eeendlich wieder in die Schule dürfen. Verrückt. Hat sich das deutsche Schulsystem so gravierend verbessert, dass die Kinder danach lechzen wieder in die Schule zu dürfen? Wann ist das passiert und warum hab ich davon nichts mitbekommen?

Und ich meine wirklich auf die Schule freuen… so mit allem drum und dran, was zum Schulalltag dazu gehört. Oder sind es die Eltern, die das gerne so verstehen?

„Yeah, mein Kind freut sich auf die Schule, wir haben alles richtig gemacht!“

Warum gibt es Bedarf bei den Eltern, diesen Satz auf sämtlichen Social Media Platzformen droppen zu lassen? Eltern, die freudig verkünden, ihre Kinder freuten sich schon übelst auf die Schule und könnten es kaum erwarten, morgens total übermüdet ins Klassenzimmer zu schlurfen. 

Unwahrscheinlich. 

Nein, ich glaube kaum, dass sich irgendein Kind auf den Schulbesuch freut. Spricht man mit den Kindern, dann freuen sie sich auf bestimmte Aspekte, die lediglich im Rahmen der Schule stattfinden, aber nicht exklusiv dem Schulbesuch vorbehalten sind.

Worauf sind Kinder nach den Ferien wirklich freuen

Einige Aspekte können sein:

  • Freunde: die Ferienzeit vergeht für viele Kinder mit Familienurlaub (ohne Freunde) und den Nachbarskindern. Die besuchen aber nicht immer auch die gleiche Schule oder Jahrgangsstufe. Schulfreunde können auch mal im nächsten Dorf wohnen und das tägliche Treffen bleibt daher in der Ferien oft aus.
    Vorfreude auf das regelmäßige Treffen der Freunde in den Pausen zwischen den Unterrichtsstunden.
  • Beschäftigung: Viele Kinder haben nie gelernt, sich selbst zu beschäftigen. Spätestens ab dem Kindergarten bekommen sie vorgegeben, was zu tun ist, ob durch Erwachsene oder andere Kinder.
    Schulkinder freuen sich auf das Gewohnte und darauf, sich nicht mehr ständig selbst um Beschäftigung/Unterhaltung/Input kümmern müssen. Das ist nämlich anstrengend und es ist einfach eine Erleichterung für den Kopf, zu wissen, wie der Tag ablaufen wird und dass Input von außen kommt.
  • Lob: Bestätigung durch Lehrkräfte fühlt sich für viele Kinder gut an. Sie haben schon früh durch Kindergarten, Umfeld etc. gelernt, ihren eigenen Selbstwert an ihre erbrachten Leistungen zu koppeln. Bewertung, Lob und Tadel in der Kindheit führen dazu, dass die Menschen auch noch im Erwachsenenalter mit ihrem Selbstwert zu kämpfen haben und permanent danach streben, besondere Leistungen zu erbringen.
    Schulkinder freuen sich unbewusst darauf, dass ihr Selbstwert wieder durch tägliche Bewertung und daraus möglicherweise resultierendem Lob gepusht wird.

Diese drei Punkte sind sicherlich noch zu ergänzen, z. B. mit Szenarien, in denen die Kinder in gewalttätigen Familien leben und froh darüber sind, ihr Haus zumindest zeitweise verlassen zu können. Sie alle haben eins gemeinsam: Sie sind nicht exklusiv mit der Schule verwoben. Freundschaften sind nicht exklusiv Schulkindern vorbehalten. Zugewandte Menschen, um dem Elternhaus zu entfliehen, findet man auch anderswo. Der Wunsch nach Beschäftigung und das Streben nach Lob sind ebenso außerhalb des Schulumfeldes umsetzbar, wobei ich diese Aspekte als negativ betrachte und ich es fraglich fänd, wenn die Erfüllung dieser durch die Eltern bewusst veranlasst wird.

Worauf sich Kinder nach den Ferien wirklich nicht freuen

Was macht unser heutiges Schulsystem überhaupt aus? Welche Aspekte lassen sich denn nur der Schule zuordnen und findet sich nur schwer in anderen Kontexten?

Vier Punkte, ohne die das heutige Schulsystem nicht funktionieren würde:

  • Alles findet unter Zwang statt, es gibt keine vorgesehene, echte Wahl- oder Ausstiegsmöglichkeit
  • Bewegungs- und Kommunikationseinschränkung: möglichst still neben seinen Freunden zu sitzen, aber nicht frei mit ihnen interagieren zu dürfen (je nach Schulform auch mal weniger gravierend)
  • Im vorgegebenen Rahmen sich täglich unter obigem Zwang mit Themengebieten zu befassen, die nicht immer den eigenen Interessen entsprechen.
  • Bewertung & Beobachtung: permanent unter Beobachtung zu stehen, bewertet zu werden & Leistungen zu erbringen, die für den jungen Menschen selbst meist ohne Bedeutung sind, aber großen Einfluss auf die Zukunft des Menschen haben können

Diese vier Punkte zeichnen die Schule aus und finden sich kaum in einem anderen Umfeld wieder. Sie sind von der Institution Schule, wie wir sie heute in Allgemeinen kennen, nicht zu trennen.

Alles andere, das in der Schule passiert, kann auch woanders, in anderen Kontexten, an anderen Orten und unter anderen Bedingungen passieren. Gehört also nicht exklusiv zur Schule.
Die Punkte, die Schule ausmachen, finden sich nicht woanders wieder. Allerdings mit einer Ausnahme und das sind Gefängnisse.

Kein Kind geht also gerne in die Schule um der Schule selbst willen. Diese vier Punkte sind es, die die Kinder als miesen Beigeschmack einfach hinnehmen und nicht hinterfragen, damit sie ihre obigen Wünsche nach Freundschaft, Lob und Input etc. erfüllt sehen!

Nicht selten ist es auch der Fall, dass sich die Schulkinder gar nicht darüber bewusst sind (meist so von Eltern und Lehrkräften gewollt), dass es Alternativen zur Schule gibt. Diese Kinder mögen zwar sagen, dass sie gern zur Schule gehen, mit allem drum und dran, doch geschieht das aus dem Nichtwissen heraus, dass es Alternativen gibt.

Sie haben den Schulbesuch als „da muss jeder durch“ abgespeichert, als nicht diskutierbare, dem Leben inhärente (also unausweichlich zum Leben gehörende) Phase oder Gegebenheit auf dem Weg des Erwachsenwerdens.

Denn einige der Sätze, die Schulkinder oft durch Eltern und Lehrkräfte verinnerlicht haben sind:

  • Ohne Schule bleibt man dumm.
  • Kinder, die nicht in die Schule gehen, sind arm dran (gerne werden hier „arme Kinder in Afrika“ als Totschlagargument angeführt).
  • Wer nicht in die Schule geht, gehört einer fanatischen Religionsgemeinschaft an.
  • Die Schule ist ein Ort der Bildung, die anderswo nicht stattfinden kann.
  • Schule ist unausweichlich, um ein klug zu werden.
  • Wir haben so ein Glück, dieses Schulsystem zu haben.
  • Ich brauche professionelle Hilfe (Lehrkraft), um etwas zu lernen.
  • Niemand kann all den Stoff alleine zuhause lernen. Woher sollte man auch wissen, wie?
  • u.v.m.

Ganz besonders ist dies in Deutschland der Fall, da hier die Schulpflicht Ausmaße annimmt, die in anderen Ländern so kaum bekannt sind. So wird das je nach Schulform vorkommende Stillsitzen, nicht mit Freunden frei interagieren zu können, sich mit Themen beschäftigen müssen, die einen nicht interessieren und weitere in Kauf genommen und nicht weiter hinterfragt. Würde man diese Kinder auf genau die Punkte ansprechen (nicht nur einmal, sondern sich intensiv damit beschäftigen), so würde herauskommen, dass die Kinder nicht glücklich mit diesen Aspekten des Schulalltags sind.

Das kritische Nachfragen können sich wiederum nur Eltern leisten, die selbst offen sind, andere Wege zu gehen. Eltern, die keine anderen Wege gehen wollen, werden diese Fragen nicht stellen (Stichwort: „einen Floh ins Ohr setzen“).

Was wir Eltern gern verstehen wollen

Wir Eltern neigen dazu, Situationen, die wir meinen nicht ändern zu können („Es muss doch jedes Kind zur Schule gehen…!“), uns selbst und anderen schön zu reden. Wir interpretieren dann einfach mehr in die Aussagen unserer Kinder über den ach so schönen Schulbesuch hinein, als unsere Kinder uns damit eigentlich mitteilen wollen.

Passiert dir das auch manchmal? Ich bin auch nicht frei davon und überprüfe Aussagen meiner Kinder, über die ich mich besonders freue oder die mir dolle missfallen sehr kritisch und hake nochmal nach, damit ich auch wirklich nichts interpretieren muss.

Ich bitte dich einmal bewusst für dich selbst zu überprüfen, ob die obige Aussage, dass dein Kind gerne beschult wird, eine Tatsache oder lediglich deinem natürlichen Wunsch geschuldet ist, dass es ihm gut geht und du seine Zustimmung gerne auf den gesamten Schulbesuch beziehen möchtest und nicht nur auf einzelne Aspekte.

Schulanfang: „Jetzt gehörst du zu den Großen!“

Kennst du noch diesen Satz? Ich erinnere mich noch zu gut, wie mir selbst dieser Satz erst im Kindergarten, dann in meiner Familie und auch am Tag meiner Einschulung und danach noch von allen Seiten entgegen schallte. Als Schulkind gehöre ich nun zu den Großen. Das ist etwas, das sich wohl die meisten Kinder wünschen. Groß sein. Machen dürfen, was Erwachsene so machen. Freiheit. Und was bekommen unsere Kinder in den Schulen dann letztendlich? Keine Freiheit, noch mehr Eingrenzung, aber immerhin nennen wir sie jetzt „groß“. Um es frei heraus zu sagen: Nur weil wir etwas immer und immer wiederholen, wird es nicht wahr.

Was jedes Jahr in vielen Familien, Kindergärten und Schulen abläuft ist krasse Manipulation, die notwendig(!) ist, um Kindern die Schule erst schmackhaft zu machen. Sie werden mit allem möglichen gelockt. Vom Märchen des „großen Schulkindes“ zu der „Zuckertüte“, dem gemeinsamen Essengehen am Tag der Einschulung, Omas und Opas zu Besuch und weiteren Geschenken. Wäre die Schule ein Ort, an den man wirklich gerne hingehen würde, so wäre dieses große Tamtam schlichtweg überflüssig. Es wäre Freude genug hingehen zu dürfen, so wie es viele Kids lieben in einen Freizeitpark zu gehen. Oder feierst du dein Kind vor dem Besuch des Freizeitparks auch mit Süßigkeiten und Geschenken, weil es jetzt endlich groß genug ist, um die Achterbahn zu fahren?

Wohl kaum. Dieses TamTam wird veranstaltet, weil wir tief in uns drinnen wissen, dass die Schulzeit nicht geil sein wird. Wir wollen unserem Kind, solange es uns möglich ist, eine Party daraus machen. Wir wollen, dass es Schule mit positiven Dingen verknüpft, bevor es selber merkt, dass Schule all das eben nicht ist. Wir wollen es ihm damit leichter machen. Weil wir es lieben und schützen wollen. Und dazu nehmen wir in Kauf es anzulügen.

Recht kurz nach dem Schulstart hören wir dann andere Sätze. Jetzt beginnt nämlich „der Ernst des Lebens“, denn „das ist hier kein Kindergarten!“, „jetzt ist Schluss mit lustig“.

Warum du nicht verallgemeinern solltest

Aber mein Kind geht gerne zu Schule! Wie soll ich es denn sonst sagen?

Deutlich sinnvoller wäre es z.B. zu sagen:

„Mein Kind freut sich darauf, seine Schulfreunde wieder regelmäßig zu treffen.“

Damit sorgst du aktiv dafür, dass das Bild des Kindes, das die Schule selbst liebt, nicht weiter verbreitet wird. Doch warum ist das nötig? Jedes Mal wenn ein Kind mit „Ja“ auf die Frage antwortet, ob es gern zur Schule geht, stirbt ein Einhornbaby… also fast.

Nein, eigentlich ist es viel mehr so, dass dieses Bild, das noch immer in so vielen Köpfen rumspukt, auf seinen Realitätsgehalt überprüft wird, wenn wir uns genau ausdrücken und nicht die gesamte Institution Schule als Ort der Freude darstellen, wenn sie es doch gar nicht ist.

Wenn wir aufhören zu sagen, dass unsere Kinder gerne zur Schule gehen, wenn sie es doch gar nicht um der Schule selbst willen tun, sondern wegen der anderen Dinge, für die es gar keine Schule braucht, dann geben wir der Schule und den Teilen, für die sie exklusiv steht (Zwang etc.) Macht.

Wir nehmen billigend in Kauf, dass diese Teile existieren und geben ihnen von unserer „allgemeinen Liebe für die Schule“ Liebe ab. Das könnte bildlich gesprochen so aussehen, dass der Zwang sich mit der Liebe zur Schule rühmt, obwohl sie ihm gar nicht zusteht. Eine stille Akzeptanz des Zwangs und seinen Freunden. Damit das nicht passiert, damit wir ihm keine Bühne bieten, auf der er für sich werben kann („Schaut her, die Kinder lieben die Schule, sie lieben mich (den Zwang), ich störe sie nicht, sie wollen das so!“), müssen wir auf unsere Worte achtgeben.

Anders ausgedrückt: Indem du verallgemeinerst und sagst, dein Kind gehe gerne zur Schule, verharmlost du die Aspekte, die Leid verursachen. Und genau diese Aspekte sind es, die Schule erst zu Schule machen. In keinem anderen Umfeld wird von Menschen unter Zwang verlangt sich mit vorgegebenen Themen zu beschäftigen, sich permanent einer Bewertung zu unterziehen u.s.w. All dies verursacht – viel häufiger als uns lieb ist – Schäden, die wir nur mit ganz viel Mühe und manchmal gar nicht mehr reparieren können.

Indem du präzisierst, auf was sich deine Kinder freuen, kannst du verhindern, der Schule Aspekte zuzuschreiben, die gar nicht zur Schule selbst gehören, sondern nur eine Begleiterscheinung darstellen (wie z. B. das regelmäßige Treffen der Freunde, neuer Input etc.). Diese Aspekte sind auch außerhalb der Schule erlebbar und gehören daher nicht exklusiv zum Schulbesuch.

Worte sind mega mächtig. Daher ist das Präzisieren super wichtig, damit der Zwang (um ihn nochmal zu personalisieren für die bildliche Vorstellung) sich nicht mehr mitgemeint fühlen kann. Damit er keine Bühne mehr bekommt und damit er vielleicht sogar als das, was er ist, gesehen und adressiert werden kann.

Denn nur was man auch deutlich erkennen und benennen kann, kann man bekämpfen. Damit er sich endlich auflöst und Kinder freiwillig in die Schule gehen können, sofern sie es wollen, den Rahmen selbst vorgeben können und endlich eine echte Wahl haben.

Sprache ist eine subtile, aber mächtige Artm, um die Welt zu verändern.

Sprache schafft Bilder im Kopf und Bilder führen zu Gefühlen und diese zu Handlungen.

Was du tun kannst, um dein Kind aus der Schule zu holen? Raus aus der Schulpflicht

Wenn du mehr über Alternativen lesen magst, dann schau gerne in unserem Beitrag zum Freilernen / Unschooling hinein und finde Antworten auf deine Fragen in unserem großen FAQ Freilernen.

Geht dein Kind gerne zur Schule? Erzähl uns gerne davon in den Kommentaren!

Freilernerfamilien weltweit schnell und einfach finden

Freilernerfamilien weltweit schnell und einfach finden

Diese Liste dient interessierten, reisenden, auswandernden und freilernenden Familien dazu, erste Kontakte im jeweiligen Zielland zu anderen Freilernerfamilien aufzubauen und Informationen über das Freilernen vor Ort einzuholen.

Die Liste der Freilernerfamilien wird regelmäßig aktualisiert!

Du hast Lust anderen Freilernerfamilien eine Anlaufstelle zu sein, die in deinem Wohnland reisen oder dorthin auswandern möchten?

Du magst gerne neue Kontakte knüpfen und freust dich über Gleichgesinnte?

Freilernerfamilien weltweit

Wenn du auch in diese Liste passt (je mehr Freilernerfamilien pro Land, desto besser!), dann schreib mir eine eMail oder in die Kommentare mit den folgenden Informationen:

Dein Wohnland | Dein Name| ungefähres Gebiet wie Provinz, Kreis oder Gemeinde | Ist Freilernen in deinem Land möglich? Ja, Nein, unter Umständen | Unterkunft & mögliche Kosten: Stellplatz, Zelt, Ferienhaus, Zimmer, Keine Möglichkeit | Kontakt


Freilernerfamilien in Europa

England

Natascha Rohde

  • Birmingham
  • Freilernen möglich: ja
  • Unterkunft: Schlafsofa für 2-3 Personen für ein paar Tage, kein Stellplatz
  • Kosten für Unterkunft: keine
  • Kontakt: petitpetal@gmail.com | Instagram @enough_said_already

Irland

Familie Jahn

  • Co. Cork, West Cork
  • Freilernen möglich: ja
  • Unterkunft: Stellplätze mit Möglichkeit zum Waschen, Duschen, etc.)
  • Kosten für Unterkunft: keine
  • Kontakt: Instagram @WildRootMother

Italien

Susi & Gianni

  • Trentino, Lago di Caldonazzo
  • Freilernen möglich: unter Umständen
  • Unterkunft: Ferienwohnung ab 2023
  • Kosten für Unterkunft: siehe Kontakt
  • Kontakt: Instagram @susiperrone

Österreich

Nina & Daniel

  • Österreich
  • Freilernen möglich: Ja
  • Unterkunft: Stellplatz oder Zimmer für 2-5 Personen
  • Kontakt: eMail nina.czizek@gmx.at

Schweden

July Knitsch

  • Gullaskruv (nicht ganzjährig anwesend)
  • Freilernen möglich: nein
  • Unterkunft: ein Wohnmobilstellplatz + 2 Zeltplätze
  • Kosten für Unterkunft: 10€/Nacht mit Toilette und Dusche im Haus (keine Entsorgung möglich)
  • Kontakt: Telegram @julyknitsch_official

Spanien + Kanarische Inseln

Ico Benayga & Niko mit 3 Kids

  • Wo: Campo Lugar, Cáceres, Extremadura
  • Freilernen möglich: unter Umständen
  • Unterkunft: Stellplatz (Park4Night)
  • Kosten für Unterkunft: 5€/Nacht – 125€/Monat
  • Kontakt: tinyhausfamilia@gmail.com | WhatsApp/Telegram: +34 698 56 82 05 | TG-Kanal

Eileen & Marco Kraus mit 2 Kids

  • Wo: Finca Armonia, Tirig, Valencia
  • Freilernen: unter Umständen
  • Unterkunft: aktuell Stellplatz, Ferienhäuschen o.ä. in Planung, Gemeinschaft am Entstehen
  • Kosten für Unterkunft: Urlaub gegen Hand oder nach Absprache
  • Kontakt: Tel: +491788604658 | Mail: finca.armonia.valencia@gmail.com | Instagram: @finca.armonia_valencia,

Fuerteventura

Jessica Tobschat

  • Wo: Gemeinde La Oliva
  • Freilernen möglich: unter Umständen
  • Unterkunft: keine Möglichkeit (Treffen möglich)
  • Kontakt: jessman612@gmail.com | +49 15251385758

Ungarn

Petra & Uli

  • Komitat Zala
  • Freilernen möglich: unter Umständen
  • Unterkunft: Stellplatz für Wohnmobil, Wohnwagen, Zelt
  • Kosten der Unterkunft: 5-10€ oder Urlaub gegen Hand
  • Kontakt: Instagram @millefamiglia

Treffe andere Familien auf Freilernertreffen, Camps und Meet Ups weltweit. Wo findet was wann statt? In unserem Veranstaltungskalender für 2022 findest du alle Termine. Du kennst noch mehr? Schreib sie uns in die Kommentare!

Freilerner Festivals, Camps & Treffen weltweit 2022

Freilerner Festivals, Camps & Treffen weltweit 2022

Home- and Unschooling Festivals, Camps & Meet Ups worldwide 2022

Hier findest du weltweite Veranstaltungen für Freilerner und Homeschooler Camps, Festivals und Treffen. Planst oder organisierst du selbst ein solches Treffen oder dir ist zu Ohren gekommen, wer sowas macht, schreib es gerne in die Kommentare oder sende uns an post@vagabundenliebe.de folgende Informationen:

  1. Wo (Land/Ort PLZ)
  2. Wann (Datum)
  3. Wer ( Ansprechpartner e-Mail/Website)
  4. Anmeldung erforderlich (ja/nein)
  5. Kosten
  6. Unterkunft (eigenes Fahrzeug / Zelt, Pension vor Ort vorhanden etc.)

Here you can find worldwide events for the Home- and Unschooling Community, such as camps, festivals and meet ups. If you are planning or organizing one of these yourself or if you have heard who is doing so, please write it in the comments or send us the following information to post@vagabundenliebe.de:

  1. Where (country/location)
  2. When (date)
  3. Who (contact e-mail/website)
  4. Registration required (yes/no)
  5. Costs
  6. Accommodation (with own vehicle or tent / guest house available)

Europa / Europe

Deutschland / Germany

BVNL Frühsommer Camp – (beendet)

  • Lebens- und Lernort Mötzelbach, Thüringen
  • 24.06. – 26.06.2022 (An- und Abreise nach Absprache bereits einen Tag vorher und einen Tag danach möglich)
  • Kosten / Costs: einmalig/ one time payment
    im Zelt/tent: 10 Euro
    im Bus/Camper: 20 Euro
    im Wohnmobil/motorhome: 30 Euro
    Tagespreis / daily rate (12+ years): 6-10 Euro (als Mitglied) oder 10-15 Euro (Nicht-Mitglieder)
    Verpflegung (optional): Frühstück 4 Euro | Mittagessen: 5 Euro | Kaffee&Kuchen: 2 Euro | Abendessen: 5 Euro oder Vollverpflegung: 15 Euro/Tag
    Menschen von 4-12 Jahre zahlen die Hälfte.
  • Information: Anmeldung durch Anzahlung mit vollem Namen via Paypal von 50 Euro an: Fridelius@yahoo.de (Gregor Friedel)

Freilerner Familientreffen Niedersachsen (beendet)

  • Park der Sinne, Karlsruher Str. 101, 30880 Laatzen
  • 06.08.2022 ab 14:30 Uhr | Treffpunkt: Große Wiese links vom Café im Park der Sinne
  • Erkennungszeichen: Grüne Schleife/Band an Kleidung, Rucksack, Taschen
  • Information: Kontakt über Telegramprofil: Yvonne / Ennovy (@itsennovy)

BVNL- Familiencamp im Saarland (beendet)

  • Saarland
  • 01.08. – 07.08.2022 (Anreise ab 28.07. möglich und Abreise bis 10.08.2022)
  • Kosten / Costs: 6 Euro pro Familie/Tag
  • Information: Kleines Camp mit Warteliste

BVNL Sommercamp (beendet)

  • Königstein, Bayern
  • 06.08. – 15.08.2022
  • Kosten / Costs: siehe Information
  • Information: BVNL Sommercamp

Freiburg Worldschool Pop-Up Gathering (beendet)

  • Freiburg im Breisgau
  • 24.08. – 31.08.2022
  • Kosten / Costs: Early Bird $50/family, regular rate $70/family (solo parents 25% discount)
  • Information: Worldschoolpopuphub + Facebook Group

SeptréFestival der Bildungsvielfalt

  • Damelack, Brandenburg
  • 08.09. – 11.09.2022
  • Kosten / Costs: siehe Information
  • Information: Septré (früher Schulfrei-Festival)

England

Home Education Families’ Festival (HEFF) 2022 (beendet)

  • Newark Showground, Coddington, NG 24 2NY
  • 03.08. – 09.08.2022
  • Kosten / Costs: for Tickets & Registration check website below
  • Information: HEFF 2022
freilerner

London Worldschool Pop-Up Gathering

  • London
  • 05.11. – 13.11.2022
  • Kosten / Costs: Early Bird $70/family, regular rate $100/family
  • Information: Worldschoolpopuphub

Island / Iceland

Iceland Excursion

  • Island
  • 05.10. – 14.10.2022
  • Kosten / Costs: Early Bird $50/family, regular rate $70/family
  • Information: Worldschoolpopuphub

Italien / Italia

S-COOL 2022

  • Camping Village „La Badiacchia“, Castiglione del Lago (PG)
  • 09.09. – 11.09.2022
  • Kosten / Costs: 20 Euro pro Familie + Unterkunft/Camping etc.
  • Information: S-COOL

Erstes Internationales Freilerner Treffen auf Sardinien

  • Campeggio Mandragola, Santa Lucia, Sardinien
  • 11.10. – 16.10.2022
  • Kosten / Costs: 20€ pro Familie + Kost & Logis | 20€ per family + board & lodge
  • Information: FB Group Freelearning Sardinia + TG Group + freelearningsardinia@gmail.com

Rumänien / Romania

Freeschooling Camp 2022 (beendet)

  • Lazuri, Arad County
  • 20.06. – 10.07.2022
  • Kosten / Costs:
    im eigenen Camper, Wohnmobil, Wohnwagen oder Zelt 25 Lei (ca. 5 Euro) pro Familie/Nacht
    in Unterkunft: 25 Lei pro Person/Nacht
  • Information: FB GROUP | Registration | Sonia WhatsApp: +40741687950
Freilerner Camp Treffen Meet Up

Unschooling Meet Up Romania (beendet)

  • Simeria, Hunedoara
  • 20.08. – 23.08.2022
  • Kosten / Costs: –
  • Information: öffentliches Gelände, kein Wasser und Strom vor Ort / public space, no water or electricity – post@vagabundenliebe.de

Schweden / Sweden

Askö familjevecka (beendet)

  • 643 93 Vingåker
  • 11.07. – 17.07.2022
  • Kosten / Costs: freiwilliger Beitrag zur Kostendeckung der Ausgaben für dieses Event / voluntary contribution to help us pay for the costs that comes from hosting this event
  • Information: Askö Family Camp

Ålandinseln

(Amtssprache Schwedisch)

Ålands hemundervisarträff (beendet)

  • Sottunga, Åland
  • 27.07. – 31.07.2022
  • Kosten / Costs: 10 Euro pro Erwachsener/Tag
  • Information: FB-EVENT

Spanien / Spain

FACE 2022 (beendet)

  • „Los Palancares“ in Cuenca, Castilla-La Mancha
  • 17.08. – 21.08.2022
  • Kosten / Costs: check Information
  • Information: FACE2022

Weekly Meet Up

  • Am Strand (Community Bar La Cochera, Sportplatz, Chiringuito Bambu) in La Herradura, Andalucía
  • freitags ab 16/17 Uhr
  • Kosten / Costs: keine

Nordamerika / North America

USA

Worldschool Pop Up Gatherings

  • Denver, Colorado (beendet)
  • 09.07. – 16.07.2022
  • Kosten / Costs: Early Bird $50/family, regular rate 70$/family
  • Information: Worldschoolpopuphub
  • Madison, Wisconsin (beendet)
  • 13.08. – 20.08.2022
  • Kosten / Costs: Early Bird $50/family, regular rate 70$/family
  • Information: Worldschoolpopuphub
  • Chicago, Illinois
  • 03.09. – 10.09.2022
  • Kosten / Costs: Early Bird $50/family, regular rate 70$/family
  • Information: Worldschoolpopuphub
  • New York City, New York
  • 24.09. – 01.10.2022
  • Kosten / Costs: Early Bird $50/family, regular rate 70$/family
  • Information: Worldschoolpopuphub

Wir freuen uns euch auf dem einen oder anderen Freilernertreffen kennenzulernen!

Die Vagabunden-Crew


Du planst deine Auswanderung und suchst andere Freilernerfamilien in deinem Zielland? Schau dich in unserer ganz frischen und regelmäßig aktualisierten Freilernerfamilienliste um!

Deschooling – Essentieller Prozess auf dem Weg zum Freilernen

Deschooling – Essentieller Prozess auf dem Weg zum Freilernen

Was ist Deschooling?

Deschooling, das „Entschulen“, beschreibt im praktischen Sinne den mentalen Prozess, den ein Mensch durchläuft, wenn er/sie das gängige Schulsystem verlässt und Freilerner (Unschooler) oder Homeschooler wird. Doch er betrifft nicht nur diesen einzelnen Menschen, sondern i.d.R. die gesamte Familie, die diesen Menschen begleitet, der/die nun außerhalb der Institution Schule leben wird.

Der Ursprung des Deschooling und Schulkritik

Der Begriff „Deschooling“ wurde vom Philosophen und Autor des Buches „Deschooling Society“* Ivan Illich geprägt. Das Buch erschien 1971 und entstand aus der 68er-Bewegung, die bereits begann das herrschende Schulsystem zu kritisieren. Andere frühe Kritiker des Schulsystems sind u.a. John Holt, Paul Goodman, Everett Reimer und Ian Lister, die wichtige Werke für alle Interessierten zu bieten haben, ebenso wie die heutigen Kritiker um die Stern-Familie (Arno, Bertrand und André Stern), John Taylor Gatto, sowie der Neurobiologe und Autor Gerald Hüther.

Die Kritik der damaligen Deschooler am Schulsystem ist heute aktueller denn je. Die Institution Schule vermittelt ungefähr so viel Bildung wie ein Pfarrer akkurater Ansprechpartner für Familien- und Eheberatung sein kann.
Denn Vermittlung von Bildung ist gar nicht das vorrangige Ziel der Institution Schule, auch wenn dies als Daseinsberechtigung der Schule eingesetzt wird.

Zu erkennen ist dies recht simpel daran, dass vielerorts keine anderen Bildungswege zugelassen werden neben der Schule und dies zu einer Monopolstellung der Institution Schule führt, die über weitere Bildungswege und Berechtigungen entscheidet. Kinder werden ab einem bestimmten Alter der Indoktrination der Regierung, die grad an der Macht ist, ausgesetzt, ohne die Möglichkeit nach links und rechts zu blicken. Schule ist somit immer politisch. Die Mehrheit der Menschen, die sie durchlaufen, werden von ihr zu Menschen gemacht, die geführt werden müssen, während einige wenige ausgebildet werden, um diese zu führen.

Doch hier soll es nicht vorrangig um die Kritik am Schulsystem gehen. Für Interessierte: Hier findest du unsere Gründe für’s Freilernen und so einige Kritikpunkte am Schulsystem des Autoren Ian Lister.

Weiter geht’s mit Deschooling heute:

Der Prozess des Deschooling heute

Heutzutage meint Deschooling in der Praxis den Prozess, der durchlaufen wird, wenn ein Mensch das klassische Schulsystem verlässt. Vom Schooling („beschult werden“) führt nur der Weg über das Deschooling („sich entschulen“) zum Unschooling (Freilernen) oder manch freiere Art des Homeschooling (Heimunterricht). Außer natürlich für Menschen, die niemals beschult wurden.

Oft geht diese Phase des Übergangs mit vermeintlicher Strukturlosigkeit, Langeweile und Schwierigkeiten sich in die neue Situation einzugewöhnen einher. Ein beschulter Mensch, der es von kleinauf an gewohnt war, gesagt zu bekommen, was er zu tun hat, dem ein Rahmen gesteckt wurde und der nicht selber wählen durfte, womit er sich beschäftigt, ist häufig von der neuen Freiheit anfangs überfordert.

Je nach Dauer der Beschulung, Alter des Menschen und Persönlichkeitstyp kann diese Phase von einigen Monaten über mehrere Jahre andauern. Das Deschooling ist abgeschlossen, wenn der Mensch aus sich selbst heraus gelernt hat, sich eine eigene Struktur zu geben (die nicht mit den Ansichten anderer übereinstimmen müssen, was eine gute Struktur ist!), das schulische Denken verlernt hat und in der Lage ist, sich selbstbestimmt zu bilden.

Deschooling in der gesamten Familie

Deschooling betrifft allerdings nicht nur das Kind, das aus dem beschulten Leben ausbricht, sondern sein gesamtes Umfeld, insbesondere die engsten Bezugspersonen wie die eigene Familie. Durchlaufen die Eltern nur in der Theorie diese Phase, also kritisieren sie eventuell das Schulsystem, zeigen aber nicht in ihrem Alltag, dass sie Vertrauen in ihren neuen Weg und ihre Kinder haben, so werden sie selbst zum häufigsten Fallensteller für ihre eigenen Kinder.

Wenn sich Eltern dazu entscheiden, dass ihre Kinder niemals eine Schule aus Zwang besuchen sollen, dann mögen diese Kinder den Prozess des Deschooling nicht nötig haben. Die Eltern, die selbst noch beschult wurden, durchlaufen das Deschooling aber trotzdem, da auch sie erstmal Vertrauen in sich und ihre Entscheidung gewinnen müssen, die Freiheiten ab vom durchschnittlichen Familienalltag beschulter Familien in ihren Familienalltag integrieren lernen, um ihren Kindern (und sich selbst!) das Umfeld zu erschaffen, dass diese benötigen, um sich optimal zu entwickeln.

Eltern, die sich selbst noch im mentalen Prozess des Deschooling befinden, neigen dazu:

  • die Leistungen ihrer Kinder mit denen beschulter Kinder zu vergleichen (insbesondere in den ersten Jahren, wenn den Eltern oft Lesen, Schreiben, Rechnen von vorrangiger Wichtigkeit ist),
  • zu versuchen dem Kind einen Weg vorzugeben, indem sie z. B. meinen zu wissen, was wichtig für das Kind zu wissen ist, wann es mal „mehr tun“ sollte,
  • indem sie mehr erklären als vom Kind gefragt wird, was dazu führt, dass das Kind belehrt wird und in der Folge weniger fragt, weil es zu viele für es selbst irrelevante Informationen um die Ohren gehauen bekommt,
  • sich selbst nicht für die hellste Kerze auf der Torte halten und deshalb zweifeln, ob sie ihre Kinder optimal begleiten können.

Insbesondere der letzte Punkt erinnert mich an folgendes Zitat:

Deschooling
„Don’t question your ability to teach your child. Question putting your child into the same system that left you feeling incapable of teaching your child.“ – Unbekannt

„Stelle nicht deine Fähigkeit in Frage, dein Kind zu begleiten. Stelle in Frage dein Kind in das selbe System zu stecken, das dich fühlen/glauben lässt, dass du unfähig bist dein Kind zu begleiten.“

Ich mag an dieser Stelle teaching mit begleiten und nicht mit unterrichten übersetzen, da wir als Freilerner eben nicht unterrichten. Dem Kern der Aussage tut dies aber keinen Abbruch:

Stellt ihr einen dieser Punkte bei euch fest (das tun wir wohl alle dann und wann mal), dann lasst euch nicht davon entmutigen, sondern arbeitet verstärkt an euren Zielen und vertraut. Vertraut euch selbst und vertraut euren Kindern. Nichts einfacher (oder schwieriger) als das.

John Holt, Autor von „How Children Learn“*:

„Alles was ich in diesem Buch sage, kann in zwei Worten zusammengefasst werden:

Vertraut Kindern.

Nichts könnte einfacher oder schwieriger sein. Schwierig, weil wir, um unseren Kindern zu vertrauen, erst lernen müssen uns selbst zu vertrauen, obwohl die meisten von uns als Kinder lernten, dass man uns nicht trauen könne.“

Deschooling
„All I am saying in this book can be summed up into two words: Trust children. Nothing could be more simple, or more difficult. Difficult because to trust children we must first learn to trust ourselves, and most of us were taught as children that we could not be trusted.“ – John Holt aus „How Children Learn“*

Was euch legal aus der deutschen Schulpflicht befreit, liest du in Raus aus der Schulpflicht – jetzt reisen und auswandern ohne Schule.

Weiters zum Thema Freilernen, Umsetzung im Alltag, Rechtliches und weitere Tipps findest du in unserem Blog.