Vanlife: Die 10 häufigsten Irrtümer übers dauerhafte Reisen im Wohnmobil

Sep 5, 2022 | 2 Kommentare

Vanlife ist:

Gammelig am Waldrand abhängen, überall liegt Müll und die Musik ist laut aufgedreht.

oder

Von einer Sehenswürdigkeit zur anderen auf dem Roadtrip des Lebens?

Wie stellst du dir das Leben im Wohnmobil vor? Hier räumen wir mit den größten Irrtümern übers Vanlife auf, dem Leben on the road. Manches widerspricht sich einfach enorm, das macht es aber umso lustiger. 😀

Vanlife Irrtum Nr.1: Wir haben reichlich Geld, weil gut geerbt.

Wie können wir es uns sonst leisten, Vollzeit zu reisen? Zu diesem Irrtum kommt es sehr oft, weil Reisen gerne mit Urlaub gleichgesetzt wird. Für uns ist das Reisen aber nicht wie Urlaub. Wir leben lediglich in einem mobilen Heim, das wir an die verschiedensten Orte fahren, die die Menschen sicherlich auch mal im Urlaub anfahren. So entsteht der Eindruck, wir würden permanent Urlaub machen. Dass wir täglich auch darin arbeiten und einen ganz eigenen Alltag haben, das bleibt den meisten verborgen. Das führt auch gleich zu Irrtum Nr. 2:

Vanlife Irrtum Nr. 2: Wir machen jeden Tag Sight Seeing.

Jeden Tag was Neues!? Obwohl wir wirklich gerne Sight Seeing machen und genau deshalb ja auch diesen Lebensstil gewählt haben, (eben weil er uns ermöglicht mehr von der Welt zu sehen als immer nur den gleichen Ort und einmal im Jahr eine gewählte Urlaubsdestination) machen wir trotzdem nicht jeden Tag Sight Seeing. Auch wir sind nur Menschen und brauchen Zeit das Erlebte und Gesehene zu verarbeiten. Und weil das prozentual mehr ist als bei einem Menschen mit festem Heim, müssen wir auch genau deshalb öfter Pausen machen. Zum Verarbeiten, Erholen, Vor- und Nachbereiten.

Unser Alltag besteht also leider nicht immer nur aus Sight Seeing. An manchen Tagen machen wir gar nichts, an anderen Tagen stehen Ver- und Entsorgungsfahrten an, denn wir kümmern uns nicht nur um das, was in uns und unser Fahrzeug reinkommt, sondern auch um alles, was es besser wieder verlassen sollte ;).

Vanlife Irrtum Nr. 3: Wir sitzen ständig im Fahrzeug, fahren und machen Strecke.

Unser Kilometerstand wächst wie kaum andere?! Auch wenn das Leben im Wohnmobil gerne mal mit den beliebten Roadtrips verglichen wird, fahren wir nicht jeden Tag. Im Gegenteil: Wir fahren sehr gerne Orte an, an denen wir länger als nur eine Nacht bleiben können. Wir fahren auch nur ganz selten mal mehrere hundert Kilometer, so wie es in Filmen oft gezeigt wird. Tatsächlich bewegen wir uns als Slow Traveller, also Langsamreisende, ziemlich nun ja… langsam. Oft brauchen wir für 200km mehrere Wochen, weil es einfach viel zu viel zu sehen und genießen gibt, als nur die üblichen Touristenhotspots.

Vanlife Irrtum Nr. 4: Wir stehen nur an Traumständen und genießen das Leben.

Schön wär’s und irgendwann auch ziemlich langweilig. Tatsächlich stehen wir auch an Shopping Centern, an Flüssen und Seen, in Industriegebieten, auf Parkplätzen, in den Bergen, am Straßenrand und ja.. auch an Stränden. Manche sind traumhaft, andere gleichen einer Müllkippe. Die Stellplatzsuche gestaltet sich mit Kindern auch etwas anders, als für kinderlose Reisende. Warum das so ist? Das liest du in unseren 9+ Tipps für den perfekten Spot mit Kindern im Wohnmobil.

Vanlife auf dem Parkplatz
Parkplatz Vanlife

Vanlife Irrtum Nr. 5: Wir können uns nur in Seen oder dem Meer waschen.

Campen wie im Campingurlaub. Obwohl das sicherlich auf so manche Vanlifer zutrifft, ist das nicht bei allen so. Die meisten haben Wasser und Duschen an Bord oder fahren regelmäßig auf Campingplätze, um sich der körperlichen Hygiene zu widmen. Körperpflege bei uns im Womo betreiben wir nachhaltig und bewusst. Tatsächlich hüpfen wir aber nicht täglich unter die Dusche (was sowieso gesünder für Haut & Haar ist), sondern begnügen uns auch mal mit Lappen und Co., denn so ein Wassertank wäre sonst ruckzuck leer.

Vanlife Irrtum Nr. 6: Im Winter müssen wir frieren.

Jein. Zum Einen haben die meisten von uns eine Heizung irgendeiner Art mit an Bord. Ob Holz, Diesel, Strom oder Gas ist dabei zweitrangig. Zum Anderen neigen wir wohl alle dazu, die kalte Jahreszeit im Süden zu verbringen, weil unser Leben hauptsächlich draußen stattfindet. Im Grunde wie Zugvögel, die auch nicht den kaltnassen Winter in Deutschland aussitzen wollen, sondern sich lieber bei ein paar mehr Sonnenstrahlen und Graden im Süden tummeln. Übrigens begleiten wir diese, oft in Form von Störchen, auf unseren Routen tatsächlich. 😉

Vanlife Irrtum Nr. 7: Wir schnorren uns durchs Leben.

Eigenverantwortung?! Obwohl uns auch schon solche Reisende begegnet sind, kann ich nicht sagen, dass es die Mehrheit ist. Im Gegenteil, nur ganz vereinzelt treffen wir auf Menschen, die die Verantwortung für ihr eigenes Leben auf anderen abladen. Versteh‘ mich nicht falsch: Ich bin immer dafür, Menschen zu helfen, die in Not geraten sind.

Es gibt aber zum Einen Menschen, die durch ihr Verhalten zeigen, dass sie erwarten, dass andere für sie sorgen. Oft wechseln sie ihr Umfeld nach einigen Wochen, wenn dieses nach viel Hilfe nicht mehr gewillt ist weiter zu sorgen, um bei noch unwissenden Menschen weiterzumachen. Zum Anderen gibt es Menschen, die offen und ehrlich zugeben, dass sie gerne so leben und andere anschnorren, weil sie nichts davon halten, für sich selbst zu sorgen, weil sie der Meinung sind, dass das ja auch andere tun können, die „so blöd waren für ihr Geld zu arbeiten“ (kein Witz, schon gehört), kann und will ich nicht mittragen. Das hat für mich nichts mit gemeinschaftlichem Sinn zu tun.

Vanlife Irrtum Nr. 8: Wir lernen ständig neue Sprachen.

„Camper sprechen von vielen Sprachen immer ein bisschen.“ war einer der ersten Sätze, den wir von einem Italiener hörten. Ja, wir schnappen wirklich einiges auf und nach ein paar Wochen im Land, sind wir in der Lage, möglichst unauffällig mit unseren paar Brocken an der Kasse im Supermarkt den angebotenen Plastikbeutel abzulehnen, Bestellungen aufzugebene, zu zählen und die üblichen Floskeln sin duns auch bekannt.

Um eine ganze Sprache zu lernen bedarf es aber dann schon noch ein bisschen mehr und das tun wir erst, wenn wir wissen, dass wir diese Sprache auch wirklich gebrauchen wollen und müssen. Das hat auch nichts mit Arroganz zu tun, sondern schlichtweg damit, dass wir wie alle anderen Menschen auch nur 24h pro Tag haben und leider nicht den ganzen Tag mit Einheimischen quatschen können oder Kurse machen. Schade eigentlich…

Trotz allem lernen wir bewusst die wichtigsten Floskeln, wenn wir vorhaben mehr Zeit ein einem Land zu verbringen. Auch unsere Kinder profitieren von fremden Sprachen, weil sie gar nicht erst Berührungsängste entwickeln und schnell gemerkt haben, dass alle Menschen gleich sind, auch wenn sie eine andere Sprache sprechen.

Vanlife Irrtum Nr. 9: Unsere Kinder wachsen ohne andere Kinder auf.

Was ist mit der Sozialisation?“ Dieses Vorurteil ist weeeit gefehlt. Denn es gibt eine ganze Community an Reisefamilien, die sich untereinander vernetzen. So fällt es uns meist sehr leicht, andere Familien zu treffen. Es entstehen dabei immer wieder wunderbare Freundschaften, nicht nur für die Kids, auch für uns. Zu diesem Zweck haben wir auch eine Gruppe auf Telegram gegründet, die du hier findest: Freilerner unterwegs auf Telegram.

Vanlife Irrtum Nr. 10: Unsere Kinder gehen nicht in die Schule und verblöden daher.

Ich sach mal… teils teils. Ja, sie gehen nicht in die Schule. Sie verblöden deshalb? Hell, no! Nicht zur Schule zu gehen hat nichts mit verblöden zu tun. Sie sind Freilerner, Unschooler, Roadschooler oder Worldschooler. Wie auch immer man es nennen mag. Sie lernen vom Leben in unserem Alltag. Und der ist sehr viel bunter als der Alltag an einem festen Ort. Ja, das darf ich so dreist behaupten, weil ich den Großteil meines Lebens an einem festen Ort gelebt habe ;). Wenn du Fragen zu diesem Bildungsweg hast, schau gern in unser FAQ zum Thema Freilernen.

Von welchen Vorurteilen hast du selbst vielleicht schon gehört? Oder hattest du auch welche davon?

Hanna

Hanna

Hanna ist Mama von zwei Kindern und bereist seit 2019 mit ihrer Familie die Welt im Wohnmobil. In ihren Veröffentlichungen auf Webseite und eBook teilt sie eigene Erfahrungen und Herangehensweisen und gibt denen damit Hilfestellungen, die ebenfalls von einem freien Leben träumen. Ganz besonders liegen ihr Lösungsfindungen bei Behördenkontakt, ein Leben ohne Schule und Unabhängigkeit am Herzen.

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2 Kommentare

  1. Janett

    Sehr interessante Vorurteile. Ich finde den Artikel klasse!

    Es ist lustig wenn man danach gefragt wird wie denn der Urlaub war, weil wir einen Monat, durch die Arbeit meines Mannes, in einem anderen Land waren.
    Hin und wieder überlege ich, ob es Sinn macht aufzuklären, dass das ja unser Leben ist und wir dort einen ganz normalen Alltag leben und wir meinen Mann meist am späten Nachmittag oder Abend sehen und oft nur das Wochenende für gemeinsame Zeit bleibt. Ebenso, wie bei vielen anderen mit festem zu Hause.

    Zu den anderen Punkten, naja. Was will man da noch sagen. Genau wie das Thema Schule 🙄
    Mein Sechsjähriger fragte gestern ein Mädel aus der zweiten Klasse, was denn 100+31 sei. „Das hatten wir in der Schule noch nicht“.
    Er war noch nie in der Schule und hat irgendwie verstanden wie einfach es ist bei hundert usw zu addieren 🙈
    An dem Beispiel sieht man halt auch sehr gut, dass sich schon die jüngsten Schulkinder irgendwie darauf verlassen die Dinge nur in der Schule lernen zu können.

    Bzgl des frierens im Winter, ich glaube ja, dass es bald eher umgekehrt werden wird und die Menschen in ihren Wohnungen und Häusern frieren müssen, während die Reisefamilien ihr Leben im Süden genießen können 🥰

    Viele Grüße Janett

    Antworten
    • Hanna

      Hihi, ja es wirkt auf viele Menschen befremdlich, dass man in seinem Wohnmobil lebt, obwohl es für sie der Inbegriff von Urlaub ist. 😀
      Vielen Dank, dass du deine Erfahrungen hier teilst! So erleben wir es tatsächlich auch. Beste Grüße!

      Antworten

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