Deschooling - Prozess zum Freilernen - selbstbestimmte Bildung

Deschooling – Essentieller Prozess auf dem Weg zum Freilernen

Feb 7, 2022 | 2 Kommentare

Wenn du neu beim Thema Freilernen oder Homeschooling bist, dann wirst du vielleicht schon ab und zu über den Begriff Deschooling gestolpert sein und dich gefragt haben, was es genau damit auf sich hat. Vielleicht aber hast du auch noch nie was von Deschooling gehört.

Hier gibt’s jetzt die Aufklärung:

Was ist Deschooling?

Deschooling, das „Entschulen“, beschreibt im praktischen Sinne den mentalen Prozess, den ein Mensch durchläuft, wenn das gängige Schulsystem verlassen wird und nun als Freilerner (Unschooler) oder Homeschooler gelernt und gelebt wird.

Doch dieser Prozess betrifft nicht nur diesen einzelnen Menschen, sondern i.d.R. die gesamte Familie, die diesen Menschen begleitet, der nun außerhalb der Institution Schule leben wird.

Der Ursprung des Deschooling und Schulkritik

Der Begriff „Deschooling“ wurde vom Philosophen und Autor des Buches „Deschooling Society“* Ivan Illich geprägt. Das Buch erschien 1971 und entstand aus der 68er-Bewegung, die bereits begann das herrschende Schulsystem zu kritisieren. Andere frühe Kritiker des Schulsystems sind u.a. John Holt, Paul Goodman, Everett Reimer und Ian Lister, die wichtige Werke für alle Interessierten zu bieten haben, ebenso wie die heutigen Kritiker um die Stern-Familie (Arno, Bertrand und André Stern), John Taylor Gatto, sowie der Neurobiologe und Autor Gerald Hüther.

Die Kritik der damaligen Deschooler am Schulsystem ist heute aktueller denn je. Die Institution Schule vermittelt ungefähr so viel Bildung wie ein Pfarrer akkurater Ansprechpartner für Familien- und Eheberatung sein kann.
Denn Vermittlung von Bildung ist gar nicht das vorrangige Ziel der Institution Schule, auch wenn dies als Daseinsberechtigung der Schule eingesetzt wird.

Zu erkennen ist dies recht simpel daran, dass vielerorts keine anderen Bildungswege neben der Schule selbst zugelassen werden und dies zu einer Monopolstellung der Institution Schule führt, die über weitere Bildungswege und Berechtigungen entscheidet.

Kinder werden ab einem bestimmten Alter der Indoktrination der Regierung, die grad an der Macht ist, ausgesetzt, ohne die Möglichkeit nach links und rechts zu blicken. Schule ist somit immer politisch. Die Mehrheit der Menschen, die sie durchlaufen, werden von ihr zu Menschen gemacht, die geführt werden müssen, während einige wenige ausgebildet werden, um diese zu führen.

Doch hier soll es nicht vorrangig um die Kritik am Schulsystem gehen. Bist du daran interessiert: Hier findest du unsere Gründe für’s Freilernen und so einige Kritikpunkte am Schulsystem des Autoren Ian Lister.

Weiter geht’s mit dem Deschooling heute:

Der Prozess des Deschooling heute

Heutzutage meint Deschooling in der Praxis den Prozess, der durchlaufen wird, wenn ein Mensch das klassische Schulsystem verlässt. Vom Schooling („beschult werden“) führt nur der Weg über das Deschooling („sich entschulen“) zum Unschooling (Freilernen) oder manch freiere Art des Homeschooling (Heimunterricht).

In der Praxis geht diese Phase des Übergangs oft mit vermeintlicher Strukturlosigkeit, Langeweile und Schwierigkeiten sich in die neue Situation einzugewöhnen einher. Das liegt daran, dass ein beschulter Mensch, der es von kleinauf an gewohnt war,

  • gesagt zu bekommen, was er zu tun hat,
  • dem ein Rahmen gesteckt wurde und
  • der nicht selber wählen durfte, womit er sich beschäftigt,

häufig anfangs von der neuen Freiheit überfordert ist.

Je nach Dauer der Beschulung, Alter des Menschen und Persönlichkeitstyp kann diese Phase von einigen Monaten über mehrere Jahre andauern.

Das Deschooling ist abgeschlossen, wenn der Mensch aus sich selbst heraus gelernt hat, sich eine eigene Struktur zu geben (die nicht mit den Ansichten anderer übereinstimmen müssen, was eine gute Struktur ist!), das schulische Denken verlernt hat und in der Lage ist, sich selbstbestimmt zu bilden.

Deschooling in der gesamten Familie

Deschooling betrifft allerdings nicht nur den (meist jungen) Menschen, der aus dem beschulten Leben ausbricht, sondern sein gesamtes Umfeld, insbesondere die engsten Bezugspersonen wie die eigene Familie.

Durchlaufen die Eltern nur in der Theorie diese Phase, also kritisieren sie eventuell das Schulsystem, zeigen aber nicht in ihrem Alltag, dass sie Vertrauen in ihren neuen Weg und ihre Kinder haben, so werden sie selbst zum häufigsten Fallensteller für ihre eigenen Kinder.

Wenn sich Eltern dazu entscheiden, dass ihre Kinder niemals eine Schule aus Zwang besuchen sollen, dann mögen diese Kinder den Prozess des Deschooling nicht nötig haben.

Die Eltern, die selbst noch beschult wurden, durchlaufen das Deschooling aber trotzdem, da auch sie erstmal Vertrauen in sich und ihre Entscheidung gewinnen müssen. Die neuen Freiheiten weit weg vom durchschnittlichen Familienalltag beschulter Familien müssen erst in ihren Familienalltag integriert werden, um ihren Kindern (und sich selbst!) das Umfeld zu erschaffen, das diese benötigen, um sich optimal zu entwickeln.

Eltern, die sich selbst noch im mentalen Prozess des Deschooling befinden, neigen dazu:

  • die Leistungen ihrer Kinder mit denen beschulter Kinder zu vergleichen (insbesondere in den ersten Jahren, wenn den Eltern oft Lesen, Schreiben, Rechnen von vorrangiger Wichtigkeit ist),
  • zu versuchen, dem Kind einen Weg vorzugeben, indem sie z. B. meinen zu wissen, was wichtig für das Kind zu wissen ist, wann es mal „mehr tun“ sollte,
  • mehr zu erklären, als vom Kind gefragt wird, was dazu führt, dass das Kind belehrt wird und in der Folge weniger fragt, weil es zu viele für es selbst irrelevante Informationen „um die Ohren gehauen“ bekommt,
  • sich selbst nicht für „gut genug“ zu halten und zweifeln deshalb, ob sie ihre Kinder optimal begleiten können.

Insbesondere der letzte Punkt erinnert mich an folgendes Zitat:

Deschooling
„Don’t question your ability to teach your child. Question putting your child into the same system that left you feeling incapable of teaching your child.“ – Unbekannt

„Stelle nicht deine Fähigkeit in Frage, dein Kind zu begleiten. Stelle in Frage dein Kind in das selbe System zu stecken, das dich fühlen/glauben lässt, dass du unfähig bist dein Kind zu begleiten.“

Ich mag an dieser Stelle teaching mit begleiten und nicht mit unterrichten übersetzen, da wir als Freilerner eben nicht unterrichten. Dem Kern der Aussage tut dies aber keinen Abbruch.

>>> Auch interessant: Selbstzweifel & mangelndes Selbstwertgefühl überwinden: Warum du nie gut genug bist, was die Schule dafür kann & eine Step-by-Step Anleitung für dein Wunschleben <<<

Stellst du einen dieser Punkte bei dir fest (das tun wir wohl alle dann und wann mal), dann lass dich nicht davon entmutigen, sondern arbeite verstärkt an deinen Zielen und übe zu vertrauen. Vertrau dir selbst und vertrau deinen Kindern. Nichts einfacher (oder schwieriger) als das.

John Holt, Autor von „How Children Learn“*:

„Alles was ich in diesem Buch sage, kann in zwei Worten zusammengefasst werden:

Vertraut Kindern.

Nichts könnte einfacher oder schwieriger sein. Schwierig, weil wir, um unseren Kindern zu vertrauen, erst lernen müssen uns selbst zu vertrauen, obwohl die meisten von uns als Kinder lernten, dass man uns nicht trauen könne.“

Deschooling
„All I am saying in this book can be summed up into two words: Trust children. Nothing could be more simple, or more difficult. Difficult because to trust children we must first learn to trust ourselves, and most of us were taught as children that we could not be trusted.“ – John Holt aus „How Children Learn“*

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Fazit zum Deschooling einer Mutter

Als selbst beschulter Mensch habe ich anfangs all die Dinge getan und gedacht, von denen du grad gelesen hast. Das fängt schon vor der Schulzeit an, wenn wir unsere Kinder insgeheim vergleichen, z. B. wenn es darum geht, wann ein Kind zu laufen beginnt oder sprechen lernt.

Was mir massiv geholfen hat, in diesen Prozess voranzukommen, war die Gründung meines eigenen Online Business. Ob jetzt online oder nicht, die Gründung eines Unternehmens ist immer Persönlichkeitsentwicklung und du kommst nur so weit, wie du bereit bist dich zu entwickeln.

Hier war ich plötzlich auf mich selbst gestellt. Niemand mehr, der mir sagte, was ich wann zu tun habe, was der richtige Weg ist und woher ich mein Wissen beziehen soll.

Indem ich diesen Schritt gegangen bin, lernte ich mich selbst wirklich zu strukturieren, selbstbestimmt zu lernen, was ich brauchte und verantwortungsvoll und überlegt meine Entscheidungen zu treffen.

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Hanna

Hanna

Hanna, Mama von zwei freilernenden Wildfängen, reist seit 2019 Vollzeit mit ihrer Familie im Wohnmobil. Mit Blog, eBooks und Kursen hilft sie als Online Marketing Strategist anderen freiheitsliebenden Familien dabei, ihren eigenen Weg in die Unabhängigkeit zu finden.

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2 Kommentare

  1. Toller Artikel. Darf ich den dann und wann mal z. B. auf Facebook verlinken? Du hast das gut erklärt, ich selbst hab‘ da gerade auch was für mich draus mitgenommen.
    Ganz liebe Grüße aus Hamburg!
    Karo 🌞

    Antworten
    • Hallo Karo, liebend gern darfst du den Artikel verlinken! 🙂 Freut mich total, wenn er hilfreich ist. Liebe Grüße in die schönste Stadt der Welt 😉

      Antworten

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