Freilernen in Deutschland 6 Gründe dagegen

Freilernen in Deutschland: 6 Gründe, warum wir nicht in Deutschland freilernen

Dez 17, 2023 | 2 Kommentare

Vorweg: Mein größter Respekt geht an viele Familien, die in Deutschland freilernen. Einige von ihnen kriegen es gut hin und wieder andere sehen sich vor massiven Herausforderungen mit Behörden, Gerichten und dem ganz normalen Alltag als Freilerner in Deutschland.

Nicht selten werde ich gefragt, warum wir denn Deutschland verlassen haben, um freizulernen, wenn es doch so extrem wichtig ist, dass es Menschen in Deutschland gibt, die das Freilernen richtig leben und sich vor Ort dafür einsetzen, dass vielleicht auch in der Zukunft das Freilernen in Deutschland möglich wird.

Meine Antwort lautet dann meist:

Die Kindheit meiner Kinder ist jetzt. Ich opfere sie nicht für eine „größere Sache.

Und so ist es ja auch. Die Kindheit mit all ihren Phasen und Entwicklungsstufen, dem rasanten Wachstum, innerlich wie äußerlich und all die Prozesse drum herum, findet so eben nur jetzt statt.

In dieser wertvollen Zeit möchte ich nicht, dass sie sich durch ihre Umgebung als „anders“, „falsch“ oder „nicht richtig“ empfinden oder dass wegen ihnen (bzw. wegen einiger Gesetze) vor Gericht gestritten werden muss, weil das Freilernen in Deutschland nicht vorgesehen ist.

Auch wenn ich gerne mal angefeindet werde für diese Worte, weil es irgendwer egoistisch finde, dass ich die Kindheit meiner Kinder nicht „der größeren Sache“ opfere (denn so würde es sich für mich wirklich anfühlen): Die Kindheit ist so elementar wichtig, dass ich ein Verkacken vermeiden möchte, was wohl wir Eltern fast alle miteinander gemein haben.

Wir wünschen unseren Kindern eine wunderbare Kindheit und alles, was sie brauchen, um auch ein wunderbares Leben führen zu können. Nur unsere Herangehensweisen unterscheiden sich. Denn wir alle haben unterschiedliche Ängste. Bewusste und unbewusste. Und das ist okay. Das darf so sein. Wär ja sonst langweilig.

Die Entscheidung, Deutschland zu verlassen, zu reisen und auszuwandern, ist also eine sehr persönliche. Auch wenn einige meinen, sie hätten den einzig wahren Weg gefunden: Den einzig wahren Weg gibt es nicht. Weder ist mein Weg der Beste für alle, noch ist es der “Gerichtsweg” in Deutschland oder gar der Schulweg in Deutschland. Familienkonstellationen und -situationen sind nun mal unterschiedlich, ebenso wie unsere Ängste.

Hier geht’s um meine persönlichen Gründe gegen das Freilernen in Deutschland. Sie sollen dir bei der Entscheidung helfen, was das richtige für deine Familie ist.

Grund 1 gegen das Freilernen in Deutschland: Wir wollten reisen.

Unsere Pläne zu reisen und auszuwandern sind älter als unsere Kinder. Schon lange bevor wir Eltern wurden, wünschten wir uns nach Irland auszuwandern und die Welt zu sehen. Ich mein, wer träumt da nicht von? Es gab wenig, was uns in Deutschland hielt, außer die Ungewissheit, wie es sein würde, nicht mehr dort zu sein.

Flucht ist nur selten der richtige Weg, weshalb ich niemandem raten würde zu so lange Zeit reisen, der tief in sich drinnen in Deutschland bleiben möchte. Oder vielleicht dann ganz besonders? Das entscheidest du. 😉

Wir sind nicht geflohen, wie uns so mancher mit unfeinen Gedanken nachsagen mag, sondern haben die Schulpflicht als zeitlichen Anlass genommen, endlich unsere Reisepläne umzusetzen.

Der längst fällig Tritt aus der Tür sozusagen.

>>> Auch interessant: Raus aus der Schulpflicht – jetzt reisen und auswandern ohne Schule <<<

Grund 2 gegen das Freilernen in Deutschland: Wir waren kigafrei in Deutschland.

Wir hatten eine besonders schöne, kigafreie Zeit. Beide Kinder sind ohne Kita oder Kiga aufgewachsen. Wir trafen uns regelmäßig und häufig mit anderen kigafreien Kindern und es fehlte uns an nichts. Warum ist das dann ein Grund gegen das Freilernen in Deutschland, fragst du dich?

Der Kindergarten ist in Deutschland größtenteils nicht verpflichtend und so war es für uns kein Problem in der großen Stadt, in der wir zu dem Zeitpunkt lebten, andere Familien ausfindig zu machen, die sich ebenfalls auf ein Leben ohne Fremdbetreuung eingerichtet hatten.

Doch wie es so ist, befreunden sich meine Kinder auch mit anderen Kindern, die in Kita & Schule gehen, was mich natürlich ebenso gefreut hat.
Unschön daran war, dass diese Kinder so gut wie nie Zeit hatten zu spielen. Ob Schule, Hausaufgaben, Ballettunterricht oder nach dem Kiga noch in den Hort: Vor 17 Uhr kam kaum ein Kind zum freien Spielen raus im Sommer. Im Winter auch mal gar nicht.

Mir schwante bereits, dass es schwierig werden könnte, Sozialkontakte an einem Ort zu erhalten, die mehr Zeit hatten, wenn der Großteil zur Schule ging.

Dazu kam, dass viele der kigafreien Familien, die anfangs noch sehr viel vom Freilernen hielten, “kurz vor Schluss”, also zum Ende der Kindergartenzeit hin einen Rückzieher machten und ihre Kinder wie gehabt einschulten.
Sie waren, anders als du, nicht an anderen Wegen interessiert, die ihnen das Freilernen trotzdem ermöglichten.

Grund 3 gegen das Freilernen in Deutschland: Mein Kind soll sich nicht “falsch” fühlen.

Freilernen in Deutschland ist illegal. Aus diesem Grund läuft einiges “unterm Radar” ab.

Viele Familien berichten z. B., sie lassen ihre Kinder vormittags nicht raus zum Spielen, weil es einfach zu viele unbeteiligte Menschen neugierig macht. Selbst dann nicht, wenn sie offen mit der Tatsache umgehen, dass sie in Deutschland freilernen und sich mit sämtlichen Behörden und Gerichten deshalb auseinandersetzen.
Denn egal, was man auch tut: Kinder im schulpflichtigen Alter am Vormittag gehören aus Sicht der Deutschen vormittags nicht in die Öffentlichkeit.

Ist dir mal aufgefallen, dass Erwachsene keine Gesprächsthemen haben, wenn sie mal in die Situation kommen und mit einem fremden Kind sprechen? Außer eins: Schule.

Schon in der kitafreien Zeit musste ich erfahren, wie nervig und grenzüberschreitend es sein kann, wenn meine Kinder an der Supermarktkasse vormittags regelmäßig gefragt wurden “Musst du heute gar nicht in den Kindergarten?” oder auch kurz bevor sie schulpflichtig geworden wären “Musst du denn grad gar nicht in der Schule sein”?

6 Gründe gegen das Freilernen in Deutschland

Für meine Kinder ist es nach wie vor unverständlich, wie man die längste Zeit des hellen Tages in einem Gebäude verbringen muss, aus dem man nicht raus darf und in dem man nicht tun darf, was man mag, weshalb sie diese Fragen sehr irritierten.

Ich für meinen Teil möchte, dass meine Kinder in einem Umfeld aufwachsen, in denen sie nicht die “Komischen” sind, die “anders” oder „nicht richtig“ sind, sondern wo es als normal betrachtet wird, dass man auch schon morgens um halb 9 gemeinsam draußen spielen kann.

Grund 4 gegen das Freilernen in Deutschland: Unterwegs ist Bildung vermitteln leichter.

Tatsächlich empfinde ich es so: Halten wir uns länger an einem Ort auf, wird dieser Ort “bekannt” und es gibt nicht mehr so viel Neues zu entdecken. Durch unsere Reisen ist ständig Neues hinter jeder Ecke: Neue Menschen, neue Orte, neue Geschichte, neue Flora und Fauna, neue Kultur usw. Es ist durch das Reisen so einfach, neuen Input zu finden, der die Kids neugierig hält.

Natürlich ist es auch ohne Reisen möglich, den Kindern immer wieder Anlass zur Neugier zu geben, keine Frage! Es bedarf nur einfach mehr Planung und Aktion, die beim Reisen automatisch mit drin ist.

>>> Auch interessant: Reisen und Auswanderung finanzieren: Online Geld verdienen lernen & 5 Gründe, warum es nicht bei allen klappt. <<<

Grund 5 gegen das Freilernen in Deutschland: Die deutsche Kultur

Dieser Punkt kam erst auf Reisen hinzu. Denn wenn ich ehrlich bin, wurde ich ja auch durch diese deutsche Kultur geprägt und ich lernte erst auf Reisen bestimmte Denkweisen oder Eigenschaften abzulegen, die wohl als “typisch deutsch” bezeichnet werden.

Bei jedem Deutschlandbesuch fällt mir allerdings aufs Neue auf, wie wenig Lebensfreude viele Deutsche haben und wie viele von ihnen mit einem grimmigen Gesicht durch die Gegend laufen. Die meisten sehen sich als die Opfer ihrer Umstände, als hilflos und ohnmächtig gegenüber dem, was sie eigentlich gerne für ein Leben hätten. Sie haben keine Träume mehr und ackern sich so durch die Jahre, die sie leben nennen.

In Kinder, die (nicht) zur Schule gehen, sind dumm & asozial und Ohne Schulabschluss erfolgreich im Leben liest du mehr dazu, wie Schule dafür sorgt, dass Deutsche so sind, wie sie nun mal sind.

In einer solchen Kultur, die meist nur am Meckern ist und auf Regeln und Verbote bedacht ist, möchte ich meine Kinder nicht aufwachsen sehen müssen.

Grund 6 gegen das Freilernen in Deutschland: Die deutsche Justiz

Wie du mittlerweile weißt, ist Freilernen in Deutschland illegal. Auch wenn es manche Familien ganz gut schaffen, sich zu “verstecken” (warum ich das nicht mag, weißt du ja aus Punkt 3), viele von ihnen haben früher oder später mit der deutschen Justiz zu tun.

Bis ich selbst Kinder hatte, dachte ich noch, dass man schon grob was falsch machen müsse (und damit meine ich nicht die simple Schulpflichtverletzung, sondern Kindesmisshandlung oder ähnlich schlimmes), damit man ungerechtfertigterweise richtig ernste Probleme mit der Justiz bekommen konnte.

Seit ich Mutter bin, hat sich mir ein anderes Bild gezeigt. Ob es nun das Thema Schwangerschaftsvorsorge, Geburt, Impfen ja oder nein oder Ernährung ist: Plötzlich will da jemand mitreden, der seine Macht auch ausübt. Spätestens seit 2020 ist es auch dem ein oder anderen mehr aufgefallen, dass Recht haben und Recht bekommen einfach Zweierlei sind.

Wir sind also auch deshalb pro Reisen oder Auswanderung, weil – so traurig es auch klingt – das Vertrauen in die deutsche Justiz fehlt.

Freilernen in Deutschland eine gute Idee?

Die Gründe für mich gegen das Freilernen in Deutschland sind so vielfältig und sicherlich gibt es noch ein paar mehr, jedoch müssen es nicht deine sein. Wir treffen alle Entscheidungen aufgrund von Vermutungen, Erfahrungen oder unserer eigenen Werte.

Möchtest du trotzdem freilernen in Deutschland, dann wende dich für Unterstützung und mehr Informationen an den bvnl.de, den Bundesverband Natürlich lernen e.V.

Hast du dich gegen das Freilernen in Deutschland entschieden oder dafür? Welche Erfahrungen hast gemacht (ich freue mich auch über positive in Deutschland) ?

Hanna

Hanna

Hanna, Mama von zwei freilernenden Wildfängen, reist seit 2019 Vollzeit mit ihrer Familie im Wohnmobil. Mit Blog, eBooks und Kursen hilft sie als Online Marketing Strategist anderen freiheitsliebenden Familien dabei, ihren eigenen Weg in die Unabhängigkeit zu finden.

VagabundenPost

Verpasse keine Neuigkeiten mehr!

* = Hierbei handelt es sich um einen Affiliate – Link. Bei Kauf des Produkts über diesen Link, erhalten wir eine kleine Provision, die es uns ermöglicht, diese Seite weiter zu führen. Für euch entstehen keine Nachteile, auch nicht beim Preis oder Garantie.

2 Kommentare

  1. Ich muss leider allen Punkten zustimmen.
    Es ist supernervig wenn das Kind ständig gefragt wird wann es denn nun endlich in den Kindergarten kommt.
    Wir sind hier auf dem Land absolute Exoten durch das kindergartenfreie Leben.
    Da findet man schwer kontakte.
    Und ja, deutsche Kinder haben keine Zeit.
    Ich habe mich nicht getraut die Schulpflicht zu verweigern. Daher ist das große Kind nun erstmal in der Schule. Es ist wirklich unschön was dort passiert und was es mit uns macht, die diese ganzen Zwänge wie Hausaufgaben an das Kind weitergeben müssen. Man wird als Eltern miterzogen und immer auf Trab gehalten.
    Ich kann mir nicht vorstellen dauerhaft so zu leben. Mann und Kinder wollen aber nicht von hier weg.
    Mal sehen… danke für deine Beiträge!

    Antworten
    • Hi Marina, ich habe mit meinem Kind auch in der Pampa in Deutschland gelebt, kindergartenfrei, und wir hatten eine gute Zeit. Spontan dachte ich, ich kann dir vielleicht ein paar Tipps geben wie ihr Kontakte finden könnt. Jetzt weiß ich grad nicht wie wir in Kontakt kommen können. Schau doch sonst mal bei Sophie Mikosch, sie hat eine Vernetzungslandkarte, ihre Seite heißt: muetterimpulse. und kindergartenfrei, die Internetseite kennst du bestimmt, oder? Wir haben auch einfach Aushänge gemacht im Bioladen etc in einer Stadt in der Nähe. Eine Familie haben wir über eine Anzeige in ebay Kleinanzeigen kennengelernt. Also vielleicht findet ihr doch noch Gleichgesinnte bei euch in der Gegend. Mit einer Freundin die ich über Sophies Seite kennengelernt habe haben wir dann einen wöchentlichen Treff gegründet, offen für alle, ob kigafrei oder nicht. Die Draußenbande, und das war eine tolle Zeit. Liebe Grüße, Katharina

      Antworten

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert