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Freilernen mit Material? Womit wir lernen.

Welches Material nutzt ihr zum Freilernen?

Eine Frage, die sich vermeintlich selbst widerspricht, ist die, welches Material wir zum Freilernen nutzen, um unseren Kindern rechnen, lesen und schreiben beizubringen. Doch wer bringt hier wem was bei?

Was Freilernen für uns bedeutet und wie es dazu kam, lest ihr hier.

Freilerner sind so verschieden wie es Sand am Meer gibt

Unter Freilernen gibt es ganz unterschiedliche Charaktere und Herangehensweisen. Manche nutzen Schulmaterialien, die sie wie beim Homeschooling durcharbeiten. Sie haben feste Zeiten zum Lernen, nehmen sich bestimmte Themen vor, die sie in die gängigen Fächer einteilen. Ähnlich wie dem Fernunterricht, den viele von euch zwecks Corona kennen.

Unter den Begriff Unschooling tummeln sich dagegen oft diejenigen, die kein spezielles Material nutzen, sondern die Situationen im Alltag nehmen, wie sie kommen. Sie erklären, wenn Fragen aufkommen oder suchen mit den Kindern gemeinsam nach Lösungen. Aus unserem Alltag kann ich bestätigen, dass es meist sehr viel mehr Fragen gibt als wir sofort Antworten darauf finden und so gibt es immer wieder Gründe gemeinsam Neues zu lernen.

Die meisten Freilerner jedoch, die wir bisher kennenlernen durften, stehen irgendwo zwischen diesen beiden Polen. Sei es, dass es noch Unsicherheiten bei den Eltern gibt, die gewisse Fächer (häufig Mathematik und Lesen & Schreiben) gezielt unterrichten möchten oder aber auch Kinder, die super gerne mit extra Materialien gemeinsam mit ihren Eltern lernen. Ja, das gibt’s! Wer selbst durch die Schule gegangen ist, mag es kaum glauben!

Freilernen: Sind wir Homeschooler oder Unschooler?

Auch wenn wir wohl eher in Richtung Unschooling tendieren, so haben wir doch gewisse Materialien da, die wir unseren Kindern zur Verfügung stellen. Sie haben diese zur freien Verfügung und können damit arbeiten, wann und wie lange sie möchten.
Einige dieser Materialien möchte ich euch vorstellen. Das eine oder andere wird euch sogar seltsam bekannt vorkommen und eher als „Spielzeug“ verbucht worden sein.

Wie lernen Kinder Lesen und Schreiben beim Freilernen?

Zum Lesenlernen benutzt unserer siebenjährige Tochter alles, was sie an Buchstaben in ihrer Umwelt findet. So liest sie beim Vorbeifahren Straßenschilder, Namen von Geschäften und was sie sonst noch so alles findet. Meist kommt dann ein „Mama! Da steht „Hotel“!“ vom der hinteren Sitzbank.

Sie dachte einige Zeit, dass Lesen einfach übelst schwer sein muss und traute sich an nichts heran. Als sie aber plötzlich Erfolgserlebnisse hatte, begann sie eifrig – meist für sich ganz heimlich – Worte zu entziffern. Bestens daran zu erkennen, dass sie angestrengt auf ein Wort starrt und sich ihre Lippen dabei bewegen. Dann der Begeisterungsschrei, wenn das, was sie soeben gelesen hat, für sie auch wirklich Sinn ergibt!

Es macht so Spaß meinen Kindern beim Spielen damit zuzusehen. Ganz besonders schätze ich dabei, dass die Motivation dafür aus ihnen selbst kommt. Viele der notgedrungenen Homeschooling Eltern* können wohl ein Lied davon singen, wie es ist, der verlängerte Arm der Lehrkraft zu sein. Auch die Auswirkung auf die Beziehung zu ihren Kindern sei hier nicht außer Acht gelassen.

*Ich bevorzuge eigentlich den Begriff Coronaschooling, weil es einen beträchtlichen Unterschied ausmacht, ob man als Eltern gezwungen wird, die Kinder selbst zu unterrichten oder ob man sich aus freien Stücken dazu entschieden hat. Zudem nehmen die Freiwilligen auch selbst Einfluss auf Dauer, Thema, Menge etc. und können normalerweise Möglichkeiten anbieten, Museen zu besuchen und anderen bildenden Aktivitäten nachzugehen.

Trotz allem haben unsere Kids diese Materialien zur freien Verfügung, die das Interesse an Buchstaben auch ganz nebenbei wecken:

ABC der Tiere Poster

Dieses Poster hängt schon seit unsere Große drei oder vier Jahre alt ist immer gut sichtbar im Raum oder Wohnmobil (im Wohnmobil in etwas kleiner). Sie schaut mittlerweile selbstständig nach, welche Buchstaben sie wohl gebrauchen kann, wenn sie ein Wort oder einen Namen schreiben mag oder wie ein Buchstabe klingt. Dies war von allen die lohnenswerteste Investition. 😀

Mini Lük von Westermann

Aus meiner Grundschulzeit habe ich im Keller meiner Eltern noch ein Mini Lük gefunden. Dann und wann wird begeistert damit gespielt und so das Gehör schult. Da meine Version aus den 1990ern stammt, habe ich euch eine möglichst ähnliche Version hier verlinkt. Der Westermann Verlag hat sich in der Zwischenzeit ganz viele neue und ansprechendere Hefte ausgedacht, die weit übers Lesen- und Rechnenlernen hinausgehen.

Tip Toi

Wen das Mini Lük nicht mehr hinter der Ofenbank hervorlockt, der kann sich vielleicht mehr für Tip Toi begeistern! Buchstaben richtig hören üben die Kinder, indem sie mit dem Tip Toi Spiel Buchstabenburg spielen. Hier spielen sie gegen einen Drachen um einen Schatz! Bei Magors Lesezauber helfen die Kinder dem Zauberer Magor einen Raben zu fangen und lernen dabei ganz beiläufig die ersten Buchstaben zu erkennen.

Das Tip Toi Buch Erste Buchstaben hat den Kids einen wunderbaren ersten Einstieg in die Welt der Buchstaben ermöglicht. Mit den vielen Minispielen und Erklärungen war dies genau das richtige, wenn sie sich ohne Mamas Augen in dieser Welt umschauen wollen.

Mildenberger

Als sich unsere Tochter nicht mehr mit einzelnen Buchstaben zufrieden gab, kam der konkrete Wunsch auf lesen zu lernen. Es ging ihr einfach nicht schnell genug, weshalb wir uns entschieden die Silbenfibel anzuschaffen. Mal liest sie darin mit Begeisterung ein paar Seiten, dann wieder monatelang gar nicht und will auch gar nichts davon wissen. Auch das gehört dazu, denn Kinder wissen selbst am Besten, wann ihre „Fenster geöffnet sind“ um etwas zu erfassen und wann etwas ganz anderes dran ist. Mit der Silbenfibel lernte sie nun einzelne Buchstaben zu Wörtern zusammenzufassen. Hierzu gibt es auch ein Schreiblerngang und Übungsheft.

Carlsen Verlag

Conni-Fans finden in den Silben-Geschichten zum Lesenlernen erste Geschichten zum Lesenlernen und in Übungsheften abwechslungsreiche Aufgaben. Mehr Rätselspaß und weniger langweilige Wiederholungen. Es handelt sich um eine ganze Reihe mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden, so dass es nicht zu langweilig oder überfordernd wird.

Rechnen lernen beim Freilernen? Wie geht das?

Gezählt wird bei uns alles. Krümel, Kaffeetassen, Dinosaurier, Legosteine… einfach alles. Ganz beiläufig wurden eins und eins zusammengezählt oder abgezogen. Freilernen macht z. B. super Spaß mit den Fiete Lernapps und die Bildschirmzeit wird auch gut genutzt. Als Eltern kann man sogar in Statistiken schauen und sieht genau, welche Thematik noch mehr Übung bedarf. Oder man lässt den Kids einfach ihren Spaß ;). Ein ganz simpler Zahlenstrahl und unsere zehn Finger dienen hier aber hauptsächlich zum Rechnen und so bildete sich mit der Zeit ein Verständnis zu Mengen und Größen bis hin zu unserem Geldsystem. Wenn unseren Kindern nach Rätseln ist, dann schauen sie aber trotzdem gern in unsere Materialen.

Abakus / Rechenschieber

Kein Witz! Die Dinger gibt’s noch immer und solange wir unsere Kinder nicht zwingen damit zu rechnen, spielen von ganz alleine mit großer Begeisterung mit Mengen. Bei der Auswahl ist mir persönlich wichtig, dass die Fünfer-Gruppen leicht zu erkennen sind, so wie es beim Abakus von Wissner der Fall ist. Aber auch ohne die Trennung, mit farblich ansprechenderer Gestaltung wie bei Kindgut, bleibt der Lerneffekt nicht aus!

Tip Toi

Wie ihr gemerkt habt, sind wir ziemliche Tip Toi Fans! Auch beim Zählen und Rechnen wird sich ein Tip Toi Stift geschnappt und los geht’s. Im Buch Erste Zahlen gibt’s wieder eine Menge Minispiele, ganz viel zum Zählen und eine Geburtstagsparty! Auch von Tip Toi gibt es weiterführende Bücher mit erhöhten Schwierigkeitsgraden, so dass es nie langweilig wird. Und das Beste: Sie lernen es einfach nebenbei mit Spaß. Spielen ist Lernen!

Mit dem Spiel Rechenspaß mit Taschengeld gehen die Kids bei uns einkaufen und kaufen sich mit ihrem Spielgeld die ganze Einkaufsliste hoch und runter. Irgendwann wurde ihnen das Spielgeld zu langweilig, deshalb benutzen wir meist echte Münzen. Der Zahlenraum bis 100 wird so ganz spielerisch verstanden. Auch für die jüngeren gibt’s ein einfaches Spiel: Heute gehen wir einkaufen!

Tessloff und Duden

Für alle Mal- und Knobelbegeisterten: Das Mathe-Malbuch. Malen nach Zahlen, aber mit kleinen Rechnungen, um die richtige Farbe „auszurechnen“. Wer lieber knobelt, findet in Die superschlauen Sudoku-Knacker noch mehr Rätsel- und Zahlenspaß ganz nebebei!

Andere Themengebiete?!

Auch beim Freilernen sind Rechnen und Schreiben sozusagen die Basics. Werkzeuge, die es sich lohnt zu benutzen und mit denen sich ganz neue Welten öffnen lassen. Die Welt lässt sich für uns nicht in Fächer einteilen, denn alles ist miteinander verwoben. Das eine bedingt das andere. Kochen kommt u.a. nicht aus ohne Mathematik, Lesen, Lebensmittelkunde, Hauswirtschaft und Chemie. Aus diesem Grund wird ganz viel bei uns „einfach so nebenbei“ gelernt, ohne dass wir gezielt etwas lernen wollen. Ein Verständnis für Zusammenhänge und Vorgänge entwickelt sich so von ganz alleine und erhält die Freude an Neuem.

Nutzen andere Familien auch Materialien zum Freilernen?

„Freilernen heißt bei uns, unsere Kinder lernen aus ihrem inneren Antrieb heraus, aus Begeisterung und in ihrem Tempo. Sie lernen zum Beispiel Lesen, Schreiben und Rechnen ganz natürlich, so wie sie auch Laufen, Sprechen und Fahrrad fahren gelernt haben. Es heißt auch, dass unsere Kinder mit Übungs- und Lernheften, Apps und vielen Bücher lernen. Sie lernen das, worauf sie gerade Lust haben. Natürlich findet Lernen nicht nur am Tisch statt, sondern ständig und oft ganz nebenbei. Im Alltag, im Kontakt mit anderen Menschen, auf Reisen und Ausflügen, durch Fragen und ganz wichtig durch Spielen. Lernen vom Leben.“
– Nicole & Robert

„Unser Sohn ist 6 und lernt was ihn interessiert. Dabei unterstützen wir ihn. Ob wir das so beibehalten, kommt ganz darauf an, wie wissbegierig er im Bereich lesen, rechnen und schreiben ist und wie entspannt ich dabei sein kann. Ansonsten wäre eine Alternative ein paar Mal die Woche Homeschooling zu machen oder eine Onlineschule zu engagieren. Wir werden sehen wie es sich entwickelt.“
– Anett & Patrick

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